18. bis 19. November 2023
Vom Meer in die Berge
Heute heisst es erst einmal Abschied nehmen vom endlosen Blau des Meeres, um es gegen die majestätische Kulisse des sardischen Hochlandes einzutauschen. Unser Ziel: Dorgali und die bergige Welt des Supramonte.
Doch bevor die grosse Fahrt beginnt, meldet sich unser Gastank für’s Kochen und Heizen mit einem dezenten Hinweis, dass es Zeit für eine Nachfüllung ist. Die erste Tankstelle konfrontiert uns jedoch gleich mit den Eigenarten des italienischen Systems: LPG-Zapfsäulen sind da, aber der Tankwart verweigert uns das Tanken, da die subventionierten Preise ausschliesslich für den Betrieb von gasbetriebenen Fahrzeugen reserviert sei. So müssen wir mit leerem Tank weiterfahren und auf die nächste Tankstelle hoffen. Und tatsächlich haben wir dort Glück (es gibt eine Regelung, dass das Betanken von Wohnmobilen mit fest installierte Gastanks oder Gastankflaschen und Aussenbetankung zulässig ist. Diese ist aber leider nicht allen Tankwarten bekannt. Siehe dazu der verlinkte Blog-Beitrag).
Auf dem Weg zum Supramonte Gebirge
Das Timing könnte nicht besser sein. Denn auch auf Sardinien sind die Temperaturen merklich gesunken, und unser nächster Stellplatz befindet sich im Supramonte Gebirge auf 1.000 Metern. Ein deutlicher Kontrast zu den warmen Küstenregionen, da sind wir um eine funktionierende Heizung froh.
Aber bevor es in die Höhe geht, sind noch einige Kilometer Landstrasse im Tal hinter uns zu bringen. Dabei durchfahren wir auch das eine oder andere Dörfchen, deren Gassen teils so eng sind, dass Lastwagen und Busse oftmals in die falsche Richtung durch die Einbahnstrasse fahren dürfen. Und weil unser Vogel hier auch zu den LKW zählt, gilt dies selbstverständlich auch für uns. Die Sarden nehmen’s gelassen und machen uns bereitwillig Platz.


















Ein weiterer Höhepunkt auf der Fahrt sind die kunstvollen Wandgemälde, die sogenannten Murales, die schlichte Hausfassaden in kleine Kunstwerke verwandeln und von Tradition, Geschichte und lokalem Leben erzählen.








Spektakuläre Bergstrasse
Hinter Lotzorai beginnt eine der schönsten Bergstrassen der Insel. Die kurvenreiche Strecke zum Passo Ghenna Silana führt uns durch eine Landschaft, die mit jedem Kilometer eindrücklicher wird.













In Baunai wird es noch einmal eng, Aber ausser eines Buses hat es zum Glück nicht viel Verkehr. Danach schlängelt sich die Strasse durch atemberaubende Täler und über den beeindruckenden Passo Genna Arramene






Die Strasse windet sich höher und höher – und mit jedem Meter wächst die Vorfreude auf die neue Welt, die uns in den Bergen erwartet. Die SS125 ist gut ausgebaut, so dass auch Dieter ab und zu einen Blick auf die Landschaft werfen kann. Und an manchen Stellen können wir dank des wenigen Verkehrs auch kurz anhalten.



























Ankunft am Passo Ghenna Silana
So beeindruckend die kurvige Bergfahrt auch war, sind wir doch erleichtert, als wir endlich den Pass erreichen. Denn es beginnt bereits zu dämmern, was um die Jahreszeit nicht mehr lange dauert bis zur völligen Dunkelheit. Dazu erfordert der schmale, unbefestigte Weg zu unserem Stellplatz noch einmal volle Konzentration.







Und dann der Moment, der alle Anstrengungen vergessen lässt: Der Ausblick vom Passo Ghenna Silana ist schlichtweg spektakulär. Die Fahrt durch die Serpentinen war jede Kurve wert. Vor uns breitet sich das Tal aus wie ein riesiges Panorama, während die Abendsonne die Bergkuppen in goldenes Licht taucht.

Heute Nacht werden wir unter einem der klarsten Sternenhimmel schlafen, den Sardinien zu bieten hat. In 1.000 Metern Höhe, fernab von jeder Lichtverschmutzung, wird die Nacht zu einem natürlichen Planetarium. Ein perfekter Abschluss für einen Tag voller Kontraste – vom Meer zu den Bergen, von der Wärme der Küste zur klaren Bergluft.
Doch die Nacht hält eine Überraschung bereit, denn die erhoffte Sternennacht entwickelt sich jedoch anders als gehofft: Starke Windböen verwandeln unser Wohnmobil in eine Schaukel und sorgen für eine eher unruhige Nacht. Doch dank der 8 Grad am Morgen werden wir trotzdem recht früh wach. Solche Temperaturen sind wir nach den warmen Küstentagen nicht mehr gewohnt! Und so stellen wir das erste Mal fest: es ist Winter – auch in Sardinien.
Auf dem Pass
Am nächsten Morgen erwachen wir bei strahlendem Sonnenschein und wir sehen das erste Mal richtig wie wunderschön wir hier stehen und das Gestern nur ein kleiner Vorgeschmack war.






Wir geniessen die Einsamkeit
Oberhalb unseres Stellplatzes thront das Hotel Gorropu, Ausgangspunkt für den berühmten Panoramawanderweg zur gleichnamigen Schlucht. Die Erinnerungen an unseren Besuch der Schlucht von 2017, werden wach. Doch diesmal ist die Strecke zu weit für eine Wanderung mit den Hunden.
Stattdessen erkunden wir den Weg in die entgegengesetzte Richtung – und werden nicht enttäuscht. Die Landschaft ist atemberaubend schön, und das Beste: Wir haben sie ganz für uns allein. Erst auf dem Rückweg begegnen uns zwei Autos, die unsere Einsamkeit durchbrechen.




Da der Grossteil des Weges links und rechts für die Weidetiere eingezäunt ist, kann auch Lenny ausgiebig frei laufen – ein seltenes Vergnügen für ihn. Immer wieder begegnen wir friedlich wiederkäuenden Kühen, die uns neugierig beobachten oder völlig entspannt grasen. Lenny schenkt ihnen nur kurze Blicke, scheint aber nicht besonders interessiert zu sein. Und Shadow findet eh anderes spannender.






Am letzten Fotohalt erleben wir dann doch noch eine kleine Überraschung: Eine junge Kuh hat sich irgendwie aus ihrer Umzäunung befreit und steht plötzlich direkt vor uns im Gebüsch. Glücklicherweise haben weder Lenny noch Shadow sie bemerkt, so dass Dieter sich mit beiden zurückziehen kann, während Monika noch schnell ein paar Fotos macht.



Die anfängliche Sorge, dass uns die Kuh verfolgen könnte, erweist sich zum Glück als unbegründet – sie scheint sogar noch mehr Respekt vor uns zu haben als wir vor ihr.
Auf dem Rückweg
Noch ein letzter Blick auf die imposante Kulisse, dann gilt es an den Heimweg zu denken, da anschliessend unsere Reise weitergeht.










Nun ist es nicht mehr weit und deshalb reicht es auch noch für einen kurzen Fotohalt, bevor wir Abschied von diesem schönen Flecken nehmen müssen.












Zurück beim Wohnmobil geht unsere Reise weiter. Eine zweite Nacht im Windkanal des Passes brauchen wir definitiv nicht – einmal in den Schlaf geschaukelt zu werden, reicht vollkommen.
Auf dem Weg ins Tal entlang einer traumhaften Berglandschaft
Die Weiterfahrt ist noch traumhafter als die Fahrt auf dem Pass, denn diesmal fahren wir die gegenüberliegende Bergseite hinunter. Eine völlig neue Strasse bietet spektakuläre Ausblicke, unter anderem in die Schlucht Gola Gorropu in der Ferne. Die Strasse schlängelt sich auch hier durch Serpentinen und mit jeder Kurve eröffnen sich neue Panoramen. Es ist beeindruckend, wie sich vom selben Pass aus ganz verschiedene Welten erschliessen, je nachdem, welche Seite man für die Abfahrt wählt.
Die herrliche Bergwelt des Supramonte ist ein Traum, erst recht wenn sich die Berge wie hier im Sonnenschein zeigen.
< Eindrücke von unserer Fahrt ins Tal
Ein Sardinien wie man es weniger kennt. Aber abseits der Strände und dem kristallklaren Meer ist Sardinien mindestens so schön und eine Reise wert. Und deshalb geht es nun auf das Agriturismo Ecoparco Neule bei Dorgali.
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One thought on “Urzulei, auf dem Ghenna Silana Pass *”