15. Juni 2023
Auf unserer Weiterfahrt besuchen wir die Festung Königstein. Dank unseres Anrufs am Morgen wissen wir von den extra Parkplätzen für Wohnmobilen, so dass wir keine Probleme zum Parken erwarten.
Eine Tageskarte ist uns zu teuer, da wir diese eh nicht nutzen würden – so bezahlen wir nur den Mindestbetrag für den 4-stündigen Aufenthalt. Es gäbe aber auch noch die Möglichkeit für kleines Geld eine Nacht auf dem Stellplatz beim Landgasthof Schänke zu stehen. Wir hatten erwartet, dass er voll belegt ist, weshalb wir dies gar nicht in Erwägung gezogen haben. Aber tatsächlich ist er fast leer.







Die Geschichte der Festung
1589 begann der Ausbau Königsteins zur Festung. Dabei wurden die früheren Zugänge der Burg zugemauert und über einer natürlichen Felsspalte ein neuer Zugang errichtet.
Danach spielte die Festung eine bedeutende Rolle in der wechselvollen Geschichte Sachsens. Entgegen unserer Erwartung ging es dabei aber weniger um militärische Ereignisse. Vielmehr war sie mal Burg, Kloster, Gefängnis oder diente gar als Jagd- und Lustschloss.
Selbst noch im 20. Jahrhundert erlebte die Festung eine wechselhafte Geschichte, war sie doch bis 1922 das bekannteste Gefängnis Sachsens. Während des Deutsch-Französischen Krieges und der beiden Weltkriege war sie Internierungslager für Kriegsgefangene, unter anderem polnische, französische, britische, niederländische und amerikanische. Danach nutzte die Rote Armee sie als Lazarett. Und zu guter Letzt wurde sie von 1949 bis 1955 durch die Jugendhilfe in der DDR als sogenannter Jugendwerkhof genutzt. Dabei ging es ihr um die Umerziehung straffälliger und nicht ins Bild der sozialistischen Gesellschaft passender Jugendlicher.
Die Festung
Wir hätten zwar das Züglein hoch zur Festung nehmen können. Aber wir gehen lieber zu Fuss und nach gut 10 Minuten stehen wir vor deren imposanten Mauern die hoch über uns aufragen.







Zugang zur Festung
Um auf das hoch über uns liegende Plateau zu gelangen, gibt es drei Möglichkeiten. Am liebsten hätten wir den Panoramalift genommen. Aber leider sind hier keine Hunde gestattet. Später realisieren wir, dass es noch einen weiteren Aufzug gibt, der uns und die Hunde mitgenommen hätte. So aber laufen wir nun den seitlichen Weg zum Haupttor an der Georgenbastion hoch.
Bereits hier gibt es viel zu entdecken. Unter anderem die vielen Verteidigungseinrichtungen, welche zusammen mit den imposanten Felswänden, Toren und Fallgittern einst das Eindringen von Belagerern verunmöglichten. Interessant auch der weit oben gelegene Weg entlang der Mauer, welcher heute nur noch zu erahnen ist. Daher haben wir ihn auch erst dank der Informationen auf der Schautafel entdeckt.




Hier geht’s zum Panorama-Festungsplan
Schutz vor Eindringlingen
Der einzige Zugang zur Festung Königstein unterhalb der Georgenburg und der Georgenbastion ist durch vier Toranlagen gesichert: Rothe Brücke, Torravelin, Medusentor und das Torhaus.
Die Rothe Brücke von 1792
Sie diente als erste Verteidigungseinrichtung. Erst als einfache Holzbrücke erbaut, welche im Kriegsfall zerstört werden konnte, wurde sie 1886 durch eine Wippbrücke ersetzt. Diese kann noch heute in Sekundenschnelle hochgeklappt werden. Ihr Name ist auf die rote Ziegelmauer zurückzuführen.
Torravelin von 1729-1736
Dieses kasemattiertes Torwerk diente zur Verteidigung des Einganges durch das Wachpersonal. Kasematten sind schusssichere Räume oder Gewölbe, die ursprünglich im Festungsbau zur Verteidigung gegen Artilleriefeuer dienten.
Grabenschere von 1733 mit dem Medusentor
Es ist die dritte Sperre zum Schutze des Eingangs. Der Name „Grabenschere“ leitet sich von der scherenartigen Form des Bauwerks ab. Eindrucksvoll auch das mächtige Medusentor, benannt nach dem Medusenkopf oberhalb des Torbogens. Ursprünglich war es auch noch durch zwei mit Blech beschlagenen Eichenholflügel gesichert.
Das Torhaus von 1589
Zur Verteidigung des über der Dunklen Appareille (Rampe als Aufgang zum Plateau) erbauten Gebäudes diente der Keller mit seinen Schiessscharten, während in den Obergeschossen die Wohnräume des Wachpersonals waren. Zum Torhaus führt eine Holztreppe, welche bei Belagerungen abgebrannt werden konnte. Innerhalb des Dunklen Aufgangs befand sich zusätzlich ein Falltor und zur weiteren Verteidigung waren die Pechnasen und Steinschmeissen vorgesehen.
All dies sehen wir auf dem Weg zum Plateau und staunen auch über den grossen Schlüssel an der Wand. Die Erklärung steht jedoch direkt daneben: Am 29. Mai übernahm das Ministerium für Kultur der DDR die Festung und erklärte sie zum Museum. Bei der Eröffnungsfeier übergaben die damaligen Insassen des Jugendwerkhofes diesen Schlüssel, in dessen Schlitz Spenden eingeworfen werden können.
Am Ende des steilen Aufgangs stossen wir auf eine Seilwinde. Damit konnten die Wagen und Geschütze hochgezogen werden; alleine mit Pferden war die grosse Steigung nicht zu bewältigen.











Oben angekommen entdecken wir links das Proviantmagazin und im Hintergrund die alte Kaserne, in der die Garnisonssoldaten mit ihren Familien wohnten. Das nächste Gebäude diente als Kriegslazarett – erbaut 1892. Dafür wurden 2000 m3 Stein aus dem Felsen gesprengt. Weiter geht es zur ehemaligen Garnisonskirche. Eine erste Kapelle stand hier jedoch schon 1200. Und zu guter Letzt die Zisterne, welche 1897 fertiggestellt wurde und 1500 m3 Wasser fasst.






Das Lustschloss
Bei der Friedrichsburg – ein Lustschloss für höfische Festlichkeiten, geniesst man einen herrlichen Blick auf die Elbe und auf die Bastei in der Sächsischen Schweiz.





Das Pulvermagazin
Die 1889-91 beschussfest erbaute unterirdische Kasematte wurde nur im Kriegsfall als Pulvermagazin genutzt. Zu anderen Zeiten wurde das gefährliche Material wegen der Explosionsgefahr unterhalb der Festung gelagert. Zum Schutz vor Geschossen mit erhöhter Durchschlagskraft begann man 1889 mit dem Bau eines unterirdischen Magazins. Dafür wurden ca. 7.000 Kubikmeter Felsen ausgesprengt und ein Ziegelgewölbe mit Sand-, Granitstampfbeton und Erddeckung errichtet. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Pulvermagazin von der DDR-Zivilverteidigung zu einem Bunker umgebaut.



Die Pestkasematte
1680 starben auf der Festung 40 Menschen an der Pest. Damit es nicht noch mehr wurden, wurden die Kranken ausserhalb der Festung in Hütten untergebracht. Nach Ende der Epidemie entstand diese Pestkasematte. Es ist nicht bekannt, ob diese je für Pestkranke genutzt wurde. Im 20 Jh. wurde sie dann zum Artilleriebeobachtungsstand umgebaut.



Erdwälle als zusätzlicher Schutz
Die Batterie ist eine Vereinigung mehrerer Geschütze in vorne geschlossenen und hinten offenen Geschützständen. Weil Mitte des 19. Jh die bestehende Brustwehr jedoch nicht mehr ausreichenden Schutz bot, wurden zusätzlich diese Wälle aufgeschüttet.
Die Erde dafür mussten französische Kriegsgefangene über den Dunklen Aufgang nach oben tragen. Die Hauptleistung erbrachten jedoch Arbeitssoldaten und Militärstrafgefangene.


Der Wehrgang
Nun folgen wir dem Weg zum Wehrgang. Hier auf der Bergfestung, 247 Meter über der Elbe, geniessen wir entlang der 2,2 Kilometer langen Ringmauer herrliche Ausblicke weit in die Sächsische Schweiz.

















Auf dem schmalen Weg müssen wir auch immer wieder entgegenkommende Menschen kreuzen. Shadow und Lenny machen das toll und lassen sich selbst bei vielen Menschen nicht aus der Ruhe bringen. Nur den strickenden Soldaten findet Lenny irgendwie eigenartig und teilt ihm das auch gleich mit. Bald merkt er jedoch, dass er ihn damit nicht beeindrucken kann, und schliesst dann doch noch Freundschaft mit ihm.




Das Zeughaus
Nach dem Besuch des Zeughauses, in dem allerlei Verteidigungswaffen für den Nah- und Fernkampf aus den verschiedenen Epochen ausgestellt sind, beginnt ein Gewitter heranzunahen.












Blitzschlag
Weil Dieter gelesen hat, dass hier aufgrund der Höhe gerne mal der Blitz einschlägt und auch schon Besucher getötet wurden – 1925 – , wird er langsam nervös. Aber Monika besteht trotzdem noch auf ein leckeres Kuchenstück in der Gartenwirtschaft.
Als jedoch die Angestellten mit dem Aufräumen der Schirme beginnen, packen auch wir unsere Sachen zusammen und nehmen den Lift nach unten – mit leisem Bedauern, dass wir wegen des Wetters ein Teil der Besichtigung auslassen müssen.








Aber es war richtig, eine Stunde vor Ablauf der Parkzeit wieder beim Wohnmobil zu sein. Denn es reicht uns gerade noch bis knapp zum Wohnmobil, bevor die ersten Tropfen fallen. Das Gewitter selbst haben wir nicht mehr erlebt, sofern es denn eines gab.
Nachdem wir und die Hunde noch etwas getrunken haben, fahren wir weiter nach Dresden.
© Womocanis.ch
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