Dresden – In der Altstadt

16. Juni 2023

Unterwegs nach Dresden

Bei der Abreise begleitet uns noch Regen, doch in Dresden begrüsst uns glücklicherweise bereits wieder strahlend blauer Himmel. Hoffen wir, dass es so bleibt – denn bei gutem Wetter ist auch eine Stadtbesichtigung viel schöner. Besonders wenn wir wie hier auf dem Stellplatz am Sachsenplatz nahe zur Elbe liegen und zu Fuss dem malerischen Flussufer entlang zur Altstadt spazieren können.

Der Elbe entlang in die Altstadt

Unser Stellplatz liegt nur rund einen Kilometer von der Altstadt entfernt. Ideal für einen schönen Spaziergang mit Lenny und Shadow.

Dabei begegnen wir auch den Flussschiffen, die mit Tagesreisen in die Sächsische Schweiz locken oder als schwimmende Hotels längere Reisen durchführen. Auf der gegenüberliegenden Flussseite beobachten wir, wie geschäftig alles für das abendliche Open-Air-Kino aufgebaut wird. Selbst Lenny und Shadow scheinen dies faszinierend zu finden.

Da hier auch Radfahrer und andere Spaziergänger unterwegs sind, bleiben Lenny und Shadow zu ihrer eigenen Sicherheit an der langen Leine. Dank Ausziehleinen haben sie genügend Spielraum und in der Stadt oder wenn ein Fahrrad kommt, können wir sie kürzer. Dabei stellen wir sie jeweils auf die jeweilige Länge fest, damit sie wie eine Schleppleine nicht auf Zug steht.

Bei der Altstadt angekommen

Legende:

Bild 1: Unweit der Altstadt entdecken wir rechterhand das Maritim Hotel im ehemaligen Erlweinspeicher, der bis 1991 als Lager für Wolle, Tabak, Gewürze und Stoffe diente. Dahinter erkennt man den Kuppelturm der ehemalige Yenidze Zigaretten-Fabrik in Form einer Moschee und einem Minarett als Schornstein.

Bild 2 und 3: Die Türme des Residenzschlosses und der Kathedrale. Linkerhand ist die Brühlsche Terrasse zu sehen.

Nachfolgend: Blick zum Moritz-Monument an der Aussenmauer der Jungfernbastei am östlichen Ende der Brühlschen Terrasse. Kurfürst August von Sachsen liess dieses Monument zum Andenken an seinen Bruder Moritz errichten, nachdem dieser 1553 in der Schlacht bei Sievershausen getötet wurde. Das Original steht heute im Kurfürstensaal des Residenzschlosses.

In der Vorstadt

An der Informationstafel orientieren wir uns zunächst, wo wir stehen und welchen Weg wir einschlagen wollen. Leider haben wir dabei nicht auf Shadow geachtet, der das verlockende Gras am Rande verständlicherweise interessanter findet als die Tafel. Hätten wir vorher bemerkt, dass hier mitten in der Stadt Getreideähren wachsen, hätten wir sicher besser aufgepasst.

Doch nun bleibt uns nichts anderes übrig, als sein Fell so schnell wie möglich von den weit über 50 gefährlichen Grannen zu befreien, bevor sie tiefer in seinen Körper eindringen. Einige haben bereits in der kurzen Zeit seine Haut durchstochen. Hätten wir sie nicht rechtzeitig entdeckt, hätte dies zu ernsten Verletzungen führen können.

Während der rund 45-minütigen Befreiungsaktion zieht sich der Himmel bedrohlich zu. Kaum haben wir ein paar Schritte gemacht, spüren wir bereits die ersten Tropfen. Glücklicherweise finden wir zusammen mit anderen Regenflüchtlingen gerade noch rechtzeitig Schutz im Lipsiusbau vor dem nun kräftig einsetzenden Schauer. Dabei können wir auch einen kurzen Blick ins Innere der aktuellen Ausstellung werfen.

Der Lipsiusbau wurde im 19. Jahrhundert für die Kunst erschaffen. Heute finden hier regelmässig Sonderausstellungen und Auseinandersetzungen mit der modernen Kunst statt.

Auf Bild 2 ist das Denkmal für Ludwig Richter zu sehen, einem bedeutenden deutschen Maler und Zeichner der Spätromantik.

Bild 8 und 9: Blick auf die Brühlsche Terrasse

Nach einer Viertelstunde lässt der Regen nach, sodass wir unseren Weg fortsetzen können und nahezu trocken ein gemütliches Restaurant in der Altstadt erreichen. Hier wärmen wir uns auf und lassen uns von der verlockenden Speisekarte zu einem vorzüglichen Abendessen verführen – 17 Uhr ist ja auch schon fast die richtige Zeit dafür.

Lenny und Shadow verhalten sich die ganze Zeit so vorbildlich, dass die anderen Gäste völlig überrascht schauen, als unser Duo beim Verlassen des Lokals plötzlich unter dem Tisch hervorkommt. Wir ernten auch noch reichlich Lob für unsere beiden wohlerzogenen Begleiter.

In der Altstadt

Frisch gestärkt nach dem feinen Abendessen geht es nun endgültig hinein in die Stadt. Dabei folgen wir keinem festen Plan, sondern lassen uns einfach von der Stadt und ihren zahlreichen, mit vielen Details gestalteten Gebäuden leiten.

Dabei fällt uns immer wieder auf, wie unterschiedlich sich der Sandstein zeigt. Mal ist er ganz hell, mal dunkler und in verschiedenen Brauntönen gestaltet. Und dann sind da die vielen fast schwarzen Skulpturen, die auf viel helleren Steinen thronen. Wir können uns jedoch keinen Reim darauf machen, woher dies kommt.

Frauenkirche und Blick über den Neumarkt und in Richtung Brühlterrasse

Neben der Kirche können wir ein weiteres Mahnmal bestaunen, das an den Zweiten Weltkrieg erinnert. Es ist ein Bruchstück der Kuppel der 1726 -1743 erbauten Frauenkirche, welches 1993 aus dem Trümmerberg geborgen und 2005 nach dem Wiederaufbau der Kirche an dieser Stelle aufgestellt wurde.

Von hier aus gelangen wir zum Neumarkt mit dessen Rekonstruktion Dresden sein altes Stadtzentrum zurückbekam. Während der Renaissance wandelte sich das Stadtbild Dresdens und die unter Herzog Moritz stark gewachsene Stadt wurde zur sächsischen Hauptstadt. Dabei wuchs sie so stark an, dass auch das Gebiet des Neumarktes 1548 in die Stadtgrenzen einbezogen wurde.

Kurländer Palais

Hierhin lockt uns die Aussage, dass hier der schönste Festsaal von Dresden zu finden sei. Leider ist die Türe zum historischen Festsaal verschlossen. Aber schon der Aufgang dazu ist prunkvoll, und auch die Kunstwerke faszinieren.

Blick in die Salzgasse, die ihren Namen im 18. Jahrhundert nach dem 1587 hier erbauten Salzsiede- und Salzspeicherhaus bekam. Gleich daneben befand sich von 1814 bis 1864 die chirurgisch-medizinische Akademie. Und das Gebäude der Polizeidirektion steht sinnigerweise an der Schiessgasse.

Stadtmuseum und Städtische Galerie

Eine moderne, stylisch gestaltete Treppe führt zu den Ausstellungen im traditionellen Gebäude.

Ausserhalb der Altstadt

Die beiden Schautafeln zeigen Dresden vor 1940 und wie es heute aussieht. Auf unserem weiteren Weg kommen wir am Gänsediebbrunnen vorbei und werden gleich an Basel erinnert. Auf diesem sieht man Felix Platter, wie er für das Abschiedsessen mit dem Schulmeister der Kreuzschule zwei Gänse stiehlt. Derselbe Felix Platter, der später Buchdrucker und Rektor der Lateinschule in Basel wurde und nach dem das Felix-Platter-Spital benannt ist.

Der Weg der roten Fahne

Das 30 Meter lange Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ am Kulturpalast entstand zwischen 1968 und 1969 und stellt die deutsche Arbeiterbewegung dar – beginnend mit der 1848er-Revolution bis zur Gründung der DDR. Das Bild entstand mit einer speziellen Maltechnik: Abertausende Glassplitter wurden mit 90’000 Volt auf die Betonplatten geschossen.

In der Schlossstrasse

Auf dem ersten Bild sieht man links das Residenzschloss und im Hintergrund die ehemalige Hofkirche, heute Kathedrale Sanctissimae Trinitatis. Das Residenzschloss brannte im Zweiten Weltkrieg fast vollständig aus, wurde jedoch wieder aufgebaut und wird heute aber immer noch restauriert. Deshalb kann man es im Augenblick nur von aussen bestaunen – und dies auch nur teilweise, da Bauabschrankungen den Blick auf vieles versperren.

Um den Besuchern dennoch einen Eindruck vom Inneren des Schlosses zu vermitteln, wurden auf den Bauabsperrungen grossformatige Fotografien angebracht – darunter auch erschütternde Aufnahmen vom Zustand nach der verheerenden Bombardierung. Beim Anblick dieser totalen Zerstörung kann man sich kaum vorstellen, dass das Schloss jemals wieder in seiner ursprünglichen Pracht erstehen könnte.

Umso beeindruckender ist es, dass die Aussenfassade in Richtung Semperoper nach rund 70 Jahren bereits wieder im alten Glanz erstrahlt.

Die Semperoper

Die Semperoper hat als Hof- und Staatsoper Sachsens eine lange geschichtliche Tradition. Aber auch sie musste nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig wiederaufgebaut werden.

Das vor der Oper stehende König-Johann-Denkmal ist nicht zu übersehen. Lediglich die hohe künstlerische Anerkennung Johanns als Dante-Übersetzer verhinderte, dass es in der DDR-Zeit abgebaut und vernichtet wurde.

Direkt daneben befindet sich der Semperbau am Zwinger, der weltbekannte Gemäldegalerie der Alten Meister beherbergt.

Oberlandesgericht

Gegenüber der Semperoper liegt das Oberlandesgericht Dresden und im Hintergrund ist der Fürstenzug zu sehen. Vor dem Gebäude steht das Denkmal von „Friedrich August dem Gerechten“ – wer könnte passender als Statue vor dem Oberlandesgericht stehen?

Dreht man sich um, erhascht man noch einmal einen Blick auf die Hofkirche und links davon das Georgentor – den Eingang zum Residenzschloss – mit den mächtigen Figuren.

Der Fürstenzug

In der Augustusstrasse, unweit der Frauenkirche, findet man an der Rückwand des Stallhofs des Residenzschlosses zwischen dem Georgentor und dem Johanneum ein ganz besonderes Gemälde.

Das Gemälde zeigt auf 102 Metern die 35 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige der Wettiner hoch zu Ross, die Sachsen zwischen 1127 und 1873 regierten – beginnend bei Konrad dem Grossen aus dem 12. Jahrhundert bis zu König Georg aus dem 20. Jahrhundert.

Es ist bereits das dritte Bild an dieser Stelle. Das erste war ein gemaltes von 1589, dessen Farben immer wieder verwitterten. Das zweite entstand 1876 anlässlich der 800-Jahr-Feier der Wettiner und zeigte die Fürsten auf goldenem Hintergrund. Aber auch dieses hielt der Witterung nicht stand und wurde zwischen 1904 und 1907 durch das jetzige aus Fliesen der Meissner Porzellanmanufaktur ersetzt. Bis heute ist es das grösste Porzellangemälde der Welt.

Erstaunlicherweise hat dieses als Wandteppich gestaltete Gemälde die Bombardierung Dresdens 1945 und die Feuer weitgehend unbeschadet überstanden. Lediglich 650 Kacheln mussten ersetzt werden.

Erstaunlicherweise hat dieses als Wandteppich gestaltete Gemälde die Bombardierung Dresdens 1945 und die Feuer weitgehend unbeschadet überstanden. Lediglich 650 Kacheln mussten ersetzt werden.

Georg-Treu-Platz

Georg Treu war Direktor der Skulpturensammlung im Dresdner Albertinum, das sich rechts vom Platz befindet.

Weitere Eindrücke

Die Goldene Fama

Die Göttin des Ruhmes steht auf der gläsernen Kuppel über dem Oktogon. Dieses verbindet die Kunstakademie mit dem Gebäude des Sächsischen Kunstvereins.

Auf dem Heimweg

Kurz nach 14 Uhr sind wir zu unserem Stadtrundgang aufgebrochen und kehren fünf Stunden später mit einem Kopf voller unvergesslicher Eindrücke zum Wohnmobil zurück. Auch Lenny und Shadow haben den ausgedehnten Stadtbummel sichtlich genossen. Denn auch wenn ihnen die geschichtlichen Hintergründe gleichgültig waren, so liebten sie es, an jeder Ecke die „Nachrichten“ zu lesen, die andere Hunde vor ihnen hinterlassen haben. Zum Glück wollten sie nicht auf jede einzelne antworten! 😄

© Womocanis.ch
Womocanis.travel.blog


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