Stand Mai 2026
Wer kennt das nicht: Der Tank ist leer, die Zapfsäule da, und trotzdem bekommst du kein Gas. In Italien ist das leider keine Seltenheit, das gilt für alle, die mit Gas kochen und heizen: egal ob mit normalen Gasflaschen, betankbaren Gastankflaschen oder einem fest installierten Gastank.
Warum eigentlich?

In Wohnmobilforen kursiert hartnäckig das Argument, es seien steuerliche Gründe — da GPL als Kraftstoff steuerbegünstigt sei. Das stimmt so aber nicht: Tatsächlich ist Heizgas in Italien sogar niedriger besteuert als Kraftstoff-GPL (auch wenn die italienische Regierung die Treibstoffsteuern im Frühjahr 2026 vorübergehend gesenkt hat). Von Steuerhinterziehung kann also grundsätzlich keine Rede sein. Wer es genau nachlesen möchte, findet die offiziellen Steuersätze der italienischen Zollbehörde (Stand 2026) hier.
Der eigentliche Hauptgrund sind Sicherheitsvorschriften: LPG darf in Italien nur in Tanks oder Gastankflaschen mit Füllstopp und Aussenanschluss abgegeben werden — genauso übrigens wie in Deutschland. Hinzu kommt, dass Tankstellen abrechnungstechnisch nur für Kraftstoff eingerichtet sind, was zusätzliche Hürden schafft.
Was bedeutet dies konkret?
Je nachdem, was man an Bord hat, sieht die Lage etwas anders aus:
Normale Gasflaschen haben es am schwersten — das Befüllen an der Tankstelle ist schlicht verboten. Dazu kommt: Italien verwendet ein eigenes Flaschenformat, das nicht mit deutschen oder schweizerischen Flaschen kompatibel ist. Ein Tausch der mitgebrachten Flasche ist also nicht möglich — man müsste eine italienische Flasche neu kaufen und mit dem passenden Adapter anschliessen. Einfacher ist es daher, genug Vorrat von zuhause mitzunehmen oder auf Tauschstationen an Campingplätzen auszuweichen.
Betankbare Gastankflaschen landen rechtlich in der Grauzone. Wichtig ist aber auf jeden Fall: Sie müssen über eine feste Entnahmeleitung , einen Aussenanschluss sowie eine 80%-Füllsicherung verfügen — und im Idealfall ebenfalls im Fahrzeugausweis eingetragen sein. In der Praxis klappt es dann oft — der Tankwart sieht einen Aussenanschluss und befüllt ihn, ohne lange zu fragen. Aber eben nicht immer, besonders in Norditalien häufen sich die Berichte über Ablehnungen.
Festtanks haben die besten Karten — vorausgesetzt, der Tank ist im Fahrzeugausweis eingetragen. Dafür braucht es ein Zertifikat eines zertifizierten Fachbetriebs, der den Einbau bestätigt. Grundlage dafür ist das internationale UN/ECE Reglement R67 — die europaweit gültige Zulassungsnorm für LPG-Ausrüstung in Fahrzeugen, die unter anderem den 80%-Füllstopp, ein Druckentlastungsventil und eine feste Aussenbefüllung vorschreibt.
Nachträglicher Einbau einer betankbaren LGP-Flasche oder Gastankes
Wer nachträglich ein Fahrzeug mit Gastankflaschen ausrüstet, muss die Anforderungen nach UNECE-R 67 erfüllen und folgende Punkte nachweisen:
- Konformitätsbescheinigung der Gastankflasche
- Bescheinigung der geprüften Halterung
- Einbaubescheinigung durch einen offiziell gelisteten Gastankeinbauer mit Einbauschulung
- Gasprüfprotokoll nach dem Einbau
- Eintrag im Fahrzeugausweis (Ziffer 330)
Sowohl Einbauer als auch Kontrolleure in der Schweiz müssen vom Verein Arbeitskreis LPG geprüft und zugelassen sein. Die aktuelle Liste findet ihr direkt auf arbeitskreis-lpg.ch.
Hinweis: In Deutschland sind die Einbauvorschriften für Gastankflaschen derzeit im Umbruch — wer dort nachrüsten möchte, sollte sich beim zuständigen Fachbetrieb über den aktuellen Stand informieren.
Wichtig: Ein nicht normkonformer Einbau kann den Fahrzeugversicherungsschutz gefährden. Das italienische Verkehrsministerium hat mit dem Dekret vom 20. April 2018 geregelt, unter welchen Bedingungen der Tank im Fahrzeugausweis eingetragen werden kann. Den genauen Wortlaut findest du hier.
Ausserdem gilt es zu beachten:
- Dish-Adapter immer griffbereit haben — in Italien der einzige passende Anschluss.
Je nach Reiseland braucht es andere Adapter, eine Übersicht findest du im Link. - Fahrzeugausweis bereithalten — der Tankwart darf und kann ihn verlangen
- Nicht selbst tanken — Selbstbedienung ist in Italien bei GPL generell verboten
- Tankstellen meist von ca. 7:00–12:30 und 15:30–19:30 Uhr geöffnet, an Autobahnen oft durchgehend
- Wird man abgewiesen: bei der nächsten Tankstelle probieren. Vielleicht hast du da mehr Glück.
Unser Fazit
Mit eingetragenem Festtank oder betankbarer Gastankflasche mit Aussenanschluss klappt es in der Praxis meist gut. Wer aber ohne Eintrag im Fahrzeugausweis unterwegs ist oder normale Gasflaschen dabei hat, sollte gut vorbereitet in die Reise starten — und den Tank nie ganz leer werden lassen bevor man die nächste GLP-Tankstelle ansteuert.
Offizielle Quellen und weiterführende Links
Schweiz
ASTRA Merkblatt — Strassenfahrzeuge mit Gasinstallationen
Italien
- Steuersätze der italienischen Zollbehörde ADM, Stand 2025
- Dekret des italienischen Verkehrsministeriums vom 20. April 2018 — Festtanks in Wohnmobilen
International
- UN/ECE Regelung R67 auf Deutsch — EUR-Lex
- Verständliche Erklärung der ECE-R67/01 Norm auf Deutsch
- LPG-Adapter in Europa — welcher Adapter wo benötigt wird
- Gasflaschen- und Anschlussübersicht in den wichtigsten Urlaubsländern
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2 thoughts on “LGP/GPL tanken in Italien — eine Wissenschaft für sich”