17. Juni 2023
Pläne ändern sich – nicht zum ersten Mal
Eigentlich stand heute der Botanische Garten Dresdens auf dem Plan. Aber ein Blick in die Besucherordnung zeigt uns, dass wir, nicht aber die Hunde willkommen wären. Und so machen wir uns nochmals auf den Weg in die Altstadt – diesmal zum Zwinger Dresdens. Was es mit dem Namen auf sich hat, erzählen wir später.
Feiertag in Dresden
Auch diesmal sind wir wieder zu Fuss unterwegs in die Stadt. Und schon von Weitem hören wir Musik, die immer lauter wird je näher wir kommen und bereits sind auch schon die ersten Buden zu sehen.
Als Schweizer, mit deutlich weniger Feiertagen, sind wir nicht auf die Idee gekommen, dass es im Juni ausser Pfingsten noch weitere Feiertage geben könnte. Und so sind wir dann auch etwas überrascht über die Demonstrationszüge unterhalb der Brühlschen Terrasse und auf dem Platz vor der Semper Oper am Abend.
Es ist der 17. Juni – der Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR von 1953 und noch heute ein nationaler Gedenktag. Ursprünglich wurde in Deutschland an diesem Tag traditionell der Tag der deutschen Einheit begangen, welcher jedoch 1990 auf den 3. Oktober verlegt wurde.
Entsprechend gross ist auch die Polizeipräsenz. Zum Glück nehmen Lenny und Shadow das Alles ganz gelassen, einzig die Trommler findet Lenny so spannend, dass er sie sich erst einmal in aller Ruhe anschauen möchte, bevor es weitergeht.







Die Brühlsche Terrasse mit der Kunstakademie und der darunter liegenden Festung
Die auch als „Balkon Europas“ bezeichnete Terrasse erstreckt sich auf 500 Metern entlang der Elbe zwischen der Augustusbrücke und der Carolabrücke. Sie wurde im 16. Jahrhundert als Teil der Befestigungsanlage Dresdens errichtet. Und noch heute zeugen die Kasematten von ihrer ursprünglichen Aufgabe. 1814 wurde sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und im Laufe der Zeit machten weitere Treppen die Terrasse von der neu erbauten Strasse zugänglich.
Die Kunstakademie oder besser gesagt der Lipiusbau oberhalb der Festung beherbergt ein Hochschul- und Ausstellungsgebäude, auf dem der goldene Eros über alles wacht. Auf der rechten Seite der Brühlschen Terrasse schliesst sich die Hofkirche an.






Heute tauchen wir nicht direkt in die Altstadt ein, sondern schauen uns die Sehenswürdigkeiten auf der Brühlschen Terrasse an wie das Ernst Rietschel Denkmal, welches an dem Ort steht, wo einst der gleichnamige Bildhauer sein Atelier hatte. Aber auch das Wasserspiel lädt zum Verweilen ein.






Und am Ende der Brücke steigen wir die lange Treppe zum Schlossplatz hinunter. Allzu lange wollen wir uns hier aber nicht aufhalten. Denn uns lockt der Zwinger, auf den uns ein Kommentar zu Monikas Facebook-Beitrag neugierig gemacht hat.
Der Dresdner Zwinger
Der Name ist irreführend. Hat er doch nichts mit der heutigen Bedeutung dieses Begriffes zu tun. Und so gibt es in diesem Zwinger statt Kerkern dann auch ganz viel Schönes zu sehen.
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Zwinger die Bezeichnung für die ursprüngliche Position der Anlage, zwischen der inneren und äusseren Burgmauer. Doch schon zu Zeiten August dem Starken, dem Erbauer des Zwingers, stand hier weniger die Verteidigung als das Vergnügen im Vordergrund. Und weil er ursprünglich als Vorhof für ein neues Schloss geplant war, stand zur Elbseite anfänglich nur eine einfache Mauer. Diese blieb bis Ende des 19. Jahrhunderts stehen, bis sie durch die Sempergalerie ersetzt wurde.
Auch der Zwinger wurde im 2. Weltkrieg schwer zerstört und erst in den 1960er Jahren wieder aufgebaut. Heute beherbergt er nicht nur die Gemäldegalerie alter Meister, den Mathematischen-Physikalischen Salon sondern auch eine umfangreiche Porzellansammlung. Und noch heute finden hier, auf dem ehemaligen Festgelände anlässlich der Hochzeit des Sohnes von Kurfürst August dem Starken 1719, Musik- und Theaterveranstaltungen statt.
Im Zwinger
Der Zwingerinnenhof wird leider gerade umgestaltet, so dass wir nur aufgrund eines Bildes erahnen können, wie schön es hier sonst aussieht. Auch das Restaurant ist im Augenblick geschlossen.






Deshalb geniessen wir heute einfach nur die riesige Aussenanlage rund um und oberhalb des Innenhofes.
Bei den Satyrn und Nymphen
Die vielfältigen Skulpturen und Verzierungen des Zwingers zeigen sich hier in ihrer ganzen Pracht – überall entdecken wir kunstvolle Details, die zum Verweilen und Staunen einladen.


Es erklingt Musik
Eine geschwungene Treppe führt uns vom Zwingerinnenhof hinauf zum Konzertsaal im Wallpavillon, der sich auf der oberen Ebene des Dresdner Zwingers befindet. Zu unserer Freude erklingt heute daraus auch wunderschöne Musik.












Bei den Göttern
Genau gegenüber des Musikpavillons befindet sich der Carillon-Pavillon, zu dem wir über eine mit vielfältigen Götterskulpturen geschmückte Terrasse gelangen.







Glockenspiel am Carillon-Pavillon
Einmalig ist auch das Glockenspiel am Carillon-Pavillon. Das Glockenspiel besteht aus 40 Glocken, welche alle aus Meissner Porzellan hergestellt wurden. Leider wurde auch dieser Pavillon bei der Bombardierung 1945 zerstört. Erstaunlicherweise hat das Glockenspiel überlebt und seine 24 Glocken aus dem Jahr 1933 wurden beim Wiederaufbau um 16 weitere ergänzt. Und so erklingen hier jede Viertelstunde die Glocken: Wobei sie zur vollen Stunde etwas länger spielen und um 10.15 Uhr, 14.15 Uhr und 18.15 Uhr sogar ganze fünf Minuten.





Mathematischen-Physikalischen Salon
Dieses Museum mit seiner weltweit ältesten Sammlung historischer Instrumente gehört seit 1728 zum Zwinger. Unter anderem enthält es auch die von Kurfürst August (1526-1586) gesammelten Werkzeuge und wissenschaftliche Instrumente, mit denen die Höhe der Sterne oder die nächste Sonnenfinsternis berechnet, aber auch Kanonen ausgerichtet werden konnten.


Im Park rund um den Zwinger
Über die Wallgraben-Brücke verlassen wir den Dresdner Zwinger und staunen noch einmal von Aussen über dessen Grösse und die imposante Architektur, bevor wir beim Theaterplatz wieder in die Altstadt eintauchen.












Auf dem Heimweg
Auf dem Rückweg begegnen wir noch einmal dem Zug der Demonstranten am Theaterplatz, der sich gerade auflöst.
So schön wir all die alten Gebäude Dresdens finden und darüber staunen, wie hier alles wieder aufgebaut wurde, so empfinden wir die Stadt doch auch sehr museal. Im Gegensatz zu Prag und anderen Städten, die wir schon besucht haben, finden sich hier kaum Geschäfte und Restaurants.











Der Neumarkt
Auf dem Neumarkt hingegen wird es lebendiger und hier finden sich auch diverse Restaurants. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Die Auswahl fällt nicht leicht. Aber am Ende entscheiden wir uns für eines mit traditionellen böhmischen Speisen. Da wir noch ein wenig die Abendsonne geniessen wollen, setzen wir uns auf die Bierbänke und nicht auf die Stühle unter den Sonnenschirmen.
Hier wartet aber erst einmal eine ganz neue Erfahrung auf uns: Auf diesen Plätzen kann man nicht bei den Kellnern und Kellnerinnen bestellen, sondern muss dazu eine App benutzen – deshalb dauert es eine Weile bis wir endlich unser Essen zusammengestellt haben. Wie gut, dass wir so geduldige hündische Begleiter haben.
Einen Vorteil hat diese Bestellmethode aber auch: Auch andere Gäste staunen über diese neue Art der Bestellung, und so kommen wir schnell mit anderen Reisenden ins Gespräch, die ähnliche Erfahrungen mit der digitalen Bestellung machen. Das Essen wird danach recht schnell serviert.
Nach diesem schönen Nachmittag mit interessanten Begegnungen machen wir uns zufrieden auf den direkten Rückweg zum Wohnmobil.











© Womocanis.ch
Womocanis.travel.blog