Welt-Erbe-Haus und Lindengarten in Wismar

3. und 4. Juli 2023

Das Welt-Erbe-Haus

Beim Welt-Erbe-Haus handelt es sich um ein historisches Dielenhaus aus dem 14. Jh, welches mit seinen über 700-jährigen Bau- und Nutzungszeit zu den ältesten Gebäude der Stadt gehört.

Dielenhäuser

Es ist traditioneller Haustyp, der vor allem in Norddeutschland vorkommt und ideal für die schmalen Grundstücke der Hansestädte war. Die grosse, offene Diele im Erdgeschoss diente als Eingangsbereich und Verbindungsraum.. Hier wurde gehandelt und repräsentiert. Entsprechend prunkvoll war auch die Ausstattung. Gleichzeitig war die Diele aber auch der Aufenthaltsraum für die ganze Familie, welcher durch die grossen Fenster auf beiden Seiten des Raums Licht bekam. Über der Diele befanden sich die Lager- und andere Räume.

Gelebt wurde im hofseitigen Flügelanbau, der sogenannten Kemlade, abgeleitet von Kemenate, einem beheizbaren Raum. Denn neben der Feuerstelle in der Diele gab es hier die einzige Heizmöglichkeit. 

Geschichte des Welt-Erbe-Haus

Die Wahl des Standortes für das ursprüngliche Handelshaus war nicht zufällig gewählt. Damals bildete die Lübsche Strasse nicht nur die Ost-West-Achse Wismars, sie war gleichzeitig auch Teil eines wichtigen Handelsweges der damaligen Zeit. 

Im 17. bis 19. Jh. bauten es die neuen Eigentümer zu einem reinen Wohnhaus um, wobei die hohe Decke der Diele herabgezogen wurde. Dadurch gewannen die oberen Räume an Stehhöhe. Anschliessend bewohnte es ein Bürgermeister und 1924 kaufte es eine Kaufmannskompanie. Diese nutzte das Haus als Geschäftsräume mit einer Gaststätte und kleinem Museum bis es 1950 der Kulturbund der DDR übernahm. Danach verfiel es zusehends.

Highlights

Eines der Highlights des Welt-Erbe-Hauses ist sicherlich die 64 m² grosse Wandverkleidung im Tapeten-Zimmer. Diese wurde 1823 in Paris aus kunstvollen Papierdrucken und einem Untergrund aus Sackleinen erschaffen. Die Tapeten zeigen Szenen aus der Reise des Telemach auf die Insel der Göttin Calypso. Fast wäre diese Besonderheit jedoch verloren gewesen als Diebe sie 1995 von den Wänden rissen und damit verschwanden. Zum Glück konnten sie kurz darauf wieder gefunden werden. Bevor sie jedoch zurück an die Wand gebracht werden konnten, mussten sie erst aufwändig restauriert werden.

In den Jahren 2013/2014 wurde auch das Haus in rund 18 Monaten umfassend saniert und anschliessend in ein Museum umgewandelt. Bei der Sanierung arbeiteten die verschiedenen Sachverständigen Hand in Hand. Denn es sollte so viel wie möglich von der historischen Substanz erhalten bleiben.

Im Welt-Erbe-Haus erfahren wir übrigens auch, weshalb in Wismar die typischen geschlossenen Häuserfluchten entstanden:

Das Lübsche Stadtrecht gab schon sehr früh feste Baurichtlinien vor. Dazu gehörten unter anderem die geraden Strassenfluchten sowie Brandmauern, die auf die Grundstücksgrenze zu setzen waren. Ebenfalls Vorschrift war, dass die Giebelseiten jeweils zur Strassenseite zeigen mussten. Aber nicht nur das, auch wie die Ziegel in den Brandwänden zu setzen sind, war im Lübschen Baurecht vorgeschrieben. Das führte dazu dass das Alter der Wände anhand der Mauerverbände und der Backsteingrössen sehr gut datiert werden kann.

Der Lindengarten

Der Lindengarten, eine unter nationalem Denkmalschutz stehende Parkanlage, geht zurück auf den 1815 entstandenen Garten in der ehemaligen schwedischen Zitadelle.

Am Rande des Lindenparkes steht auch noch der letzte Wasserturm Wismars. In ihm wurde ab 1682 das Trinkwasser gesammelt und  über Pumpen in die Stadt verteilt. Von 1882 bis 1897 war er auch in das Netz der städtischen Wasserversorgung eingebunden. Gebaut wurde er im 15 Jh. Damals jedoch noch als Teil der Stadtbefestigung wo er der Verteidigung und als Pulverturm diente. 

Direkt gegenüber des Parkes steht eine Persiluhr. Diese wurde wie viele andere von der Firma Henkel 1920 an ausgewählte Orte verschenkt. Heute (2023) sind nur noch rund 30 Standorte dieser Uhren bekannt.

Unmittelbar hinter der Uhr, in Richtung Stadt, befindet sich das ehemalige königlich-schwedische Provianthaus. Diese erinnert an die Epoche, in der Wismar, laut eines hundertjährigen Pfandvertrags, bis 1903 Schweden zugesprochen war. Heute befindet sich in diesem nebst der Apotheke das Wismarer Arbeitsamt. Dazwischen war das Provianthaus Kaserne aber auch Spital.

© Womocanis.ch
Womocanis.travel.blog


One thought on “Welt-Erbe-Haus und Lindengarten in Wismar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.