20. bis 23. Dezember 2021
Abenteuerliche Anfahrt im Dunkeln
Die Fahrt beginnt ganz normal. Nichts lässt ahnen, was uns noch bevorsteht. Doch als uns das Navi auf einen Abzweiger schicken will, der nur so von Warntafeln gespickt ist, bekommen wir ein mulmiges Gefühl. Das sieht nicht vertrauenserweckend aus. Wir entscheiden uns, nach einer Alternative zu suchen.
Als wir weiterfahren, berechnet das Navi stur denselben Weg. Erst unsere Handys zeigen eine andere Route! Erleichtert drehen wir um und ignorieren das protestierende Navi. Tatsächlich entdecken wir bald eine andere Strasse.
Doch die Freude währt nicht lang: Schon nach wenigen Kilometern mündet unsere «Alternative» wieder in die ursprüngliche Strasse, nur ohne Warntafeln. Bleibt uns wohl nichts anderes übrig. Mit etwas Bauchgrummeln fahren wir weiter, und es wird auch nicht besser. Gefühlt alle 100 Meter wechselt der Untergrund zwischen Asphalt und Schotterpiste. Und das auf einer offiziell ausgeschilderten Transitstrasse! Mehr als Schneckentempo trauen wir uns auf der Strada Provinciale Cellene Selvena nicht zu.





Inzwischen ist es dunkel geworden, was sich überraschenderweise als Vorteil erweist, da wir entgegenkommende Autos auf der schmalen Strasse so rechtzeitig sehen würden.
Ausser einem einzelnen Wildschwein begegnet uns zum Glück niemand. So erreichen wir nach einer guten halben Stunde abenteuerlicher Fahrt erleichtert und unbeschadet wieder eine vernünftige Strasse. Und staunen nicht schlecht, als wir Schneespuren am Wegrand entdecken – schliesslich sind wir nur knapp 700 Meter über Meer, und das in Italien.



Kurz darauf erreichen wir unseren Stellplatz in Santa Fiora: grosszügig, herrlich ruhig und kostenlos, aber trotzdem komplett ausgestattet.



Ein fauler Tag und ein stacheliger Spaziergang mit Hindernissen
Am nächsten Tag regnet es in Strömen und so verbringen wir einen gemütlichen Tag im Wohnmobil. Tags darauf lockt besseres Wetter zu einer kleinen Wanderung. Sie beginnt vielversprechend auf einem bequemen, breiten Weg. Doch wie bei der Anfahrt bleibt das nicht so. Plötzlich führt nur noch ein ausgetrockneter Bachlauf aufwärts. Jason und Shadow sind begeistert von der wilden Strecke. Besonders die Erde hat es ihnen angetan, sie muss köstlich schmecken. Selbst Jason, sonst wählerisch, kostet immer wieder ausgiebig.









Allerlei aus Kastanien
Die Kastanie ist hier Grundnahrungsmittel. Gekocht oder geröstet wird sie zu Eis und Cremespeisen verarbeitet. Getrocknet und gemahlen ergibt sie Mehl für eine Art Polenta oder den traditionellen Kastanienkuchen Castagnaccio.
Nur die Hunde tun uns leid, wenn sie längere Strecken auf den spitzen Kastanienschalen gehen müssen. Aber sie scheinen sich nicht daran zu stören. Wir sammeln auch ein kleines Säckchen voll mit Esskastanien, die andere zurückgelassen haben.



Eingesperrt
Nach einem steilen Abstieg werden die Wege wieder einfacher. Sie führen durch Olivenhaine und an schönen Steinhäusern vorbei. Plötzlich versperrt uns jedoch ein hoher Zaun den Weg. Und wir stellen mit Erstaunen fest: wir stehen wir INNERhalb eines Grundstücks! Das Tor ist verschlossen, der Zaun viel zu hoch zum Überklettern. Wir gehen dem endlosen Zaun entlang, finden aber keinen Durchschlupf. Zurück können wir nicht, sonst erreichen wir den Stellplatz erst im Dunkeln.






Am Ende finden wir dann doch noch kleinen Durchschlupf und können unseren Weg fortsetzen.












Die Zivilisation hat uns wieder











Das Städtchen Santa Fiora
Der weitläufige historische Ortskern erstreckt sich über einen Hügel aus vulkanischem Trachyt. Das Städtchen umfasst drei Stadtteile: Castello, Borgo und Montecatino.
Stadtteil Montecatino: Peschiera – wo sich Forellen tummeln
Santa Fiora wird auch «Dorf auf dem Wasser» genannt, da es oberhalb der Quelle des Flusses Fiora errichtet wurde. Diese Quelle speist den grossen Fischweiher in der Mitte des Dorfes, den wir von oben bewundern. Die damalige Adelsfamilie legte die Peschiera als Forellenzucht an. Bis heute kann man den Fischen im glasklaren Wasser zuschauen oder durch den umliegenden Park schlendern.






Die Stadtteile Castello und Borgo
Der Stadtteil Borgo verbindet mit seinem mittelalterlichen Stadttor die Burg mit dem Ort. Hier haben seit jeher Künstlerwerkstätten ihren Platz. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert befand sich hier auch das jüdische Ghetto an das heute nur noch die Piazza del Ghetto erinnert.





Die Piazza del Castello wurde auf den Resten der Aldobrandeschi Burg errichtet. Hier steht auch der grosse Palazzo Pretorio und der Palazzo Sforza Cesarini, dessen Erdgeschoss das Museum der Quecksilberminen des Monte Amiata beherbergt. Das Museum zeigt die Geschichte des Quecksilberabbaus, der die Region zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert prägte und leider auch viele Opfer unter den Bergarbeitern forderte.







Da es auch am nächsten Tag stark regnet, verzichten wir auf den Besuch der Kirche Madonna della Neve mit ihren Glasböden, die den den Blick auf die alte Strasse und die Quelle des Flusses Fiora freigeben. Ihr Standort direkt beim Peschiera verhalf ihr auch zu ihrem Spitznamen «Chiesa della Piscina» (Kirche am Schwimmbecken).
Vielleicht führt uns eine Reise ja noch einmal hierher…
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