Prag – ein Tag in der goldenen Stadt

24. Mai 2023

Auf dem Weg in die Stadt

Das Motorengeräusch der kleinen Fähre durchschneidet die Moldau, während sie uns von der Inselspitze zur rechten Flussseite bringt. Shadow presst sich unruhig an Dieter – das fremde Brummen gefällt ihm gar nicht. Doch mit ein paar beruhigenden Worten und einer Handvoll Kekse entspannt auch er sich wieder. Und natürlich bekommt auch der unerschrockenebLenny ein paar ab,

Und kaum haben wir festen Boden unter den Füssen, ist das Fährerlebnis vergessen. Zu aufregend sind all die neuen Düfte, die hier an der Anlegestelle auf ihn warten.

An der Moldau

Der breite Fuss- und Fahrradweg auf der anderen Flussseite lädt zum entspannten Flanieren ein. Hier pulsiert das Leben: Zu unseren Füssen gleitet die Moldau vorbei, am Ufer schaukeln ehemalige Schiffe, die findige Gastronomen zu schwimmenden Bars und Restaurants umgewandelt haben.

Andere Hundebesitzer kommen uns entgegen, genauso entspannt wie wir. Erstaunlich viele Hunde laufen hier frei an der Seite ihrer Besitzer, doch sie scheinen kein Interesse an unseren Begleitern zu haben.

Plötzlich bleibt Dieter stehen und deutet mit gerunzelter Nase auf Monikas Schuh – eine übelriechende Hinterlassenschaft klebt an der Sohle. Monikas Stimmung sinkt schlagartig. Doch eine gründliche Säuberungsaktion und der weitere Weg am glitzernden Fluss entlang heben die Laune wieder.

Und schon eine Stunde später tauchen wir in die verwinkelten Gassen der Altstadt ein.

Das Tanzende Haus

Wie ein erstarrtes Tangopaar ragt das berühmteste moderne Gebäude Prags in den Himmel, in dessen obersten Stockwerk ein Restaurant die Gäste verwöhnt.

Die Idee zu diesem aussergewöhnlichen Bauwerk stammt vom Architekten Vlado Milunić. Dieser wollte auf dem seit dem Zweiten Weltkrieg brachliegenden Gelände etwas Besonderes schaffen. Dank der Unterstützung des damaligen Präsidenten Václav Havel konnte er gemeinsam mit dem kanadischen Architekten Frank O. Gehry dieses beeindruckende Werk realisieren. Derselbe Gehry übrigens, der sich auch für die markanten Bauten in Düsseldorf verantwortlich zeichnet.

Inspiriert für dieses besondere Werk wurde der Archtiekt durch Fred Astaire und Ginger Rogers: Fred wird durch den steinernen Turm symbolisiert, während Ginger als gläsernes Haus an seiner Seite tanzt. Danke Marion für die zusätzlichen Infos!

Der Moldau entlang zur Karlsbrücke

Der Spaziergang dem Wasser entlang in die Stadt, die vielen Brücken über die Moldau – alles erinnert uns ein wenig an Zuhause.

Auf unserem Weg entdecken wir auch immer wieder zauberhafte Details an den Hausfassaden und im Wasser. Man hat das Gefühl, jede Ecke erzählt eine andere Geschichte.

Die Karlsbrücke – ein weiteres Wahrzeichen Prags

Die bekannteste Brücke ist zweifellos die Karlsbrücke, die täglich Tausende von Touristen magisch anzieht. Nicht nur, dass sie die erste Brücke Prags war – sie zählt auch zu den ältesten Steinbrücken Europas. Ihre zwei kunstvoll gestalteten Türme und 30 Statuen verleihen ihr eine einzigartige Ausstrahlung. Dazu kommen die Strassenkünstler, die mit ihrer Musik und ihren Darbietungen für lebendige Atmosphäre sorgen.

Kaum treten wir aus dem futuristischen Gang heraus, stehen wir mitten in Menschenströmen, die ihren Reiseführern folgen – Corona ist definitiv vorbei.

Von der Holz- zur Steinbrücke

Ursprünglich stand hier eine einfache Holzbrücke. Doch die Fluten setzten ihr immer wieder zu, bis sie im Hochwasser 1342 vollständig zerstört wurde. Kaiser Karl IV. liess deshalb 1357 an ihrer Stelle diese steinerne Brücke errichten. Über 16 Bögen verbindet die 520 Meter lange und 10 Meter breite Brücke die Prager Altstadt am rechten Moldauufer mit der Kleinseite am linken Ufer (Staré Mesto bzw. Malá Strana) – auch hier wieder die Ähnlichkeit zu Basel mit ihrer Gross- und Kleinbaslerseite.

Doch erst 1683 wurde die erste Statue aufgestellt – die des Heiligen Johannes von Nepomuk. Er wurde 1393 nach der Folter für einen vermeintlichen Verrat von dieser Brücke in die Moldau geworfen (dies ist allerdings nur eine der Legenden um seinen Tod).

Pausenzeit für Shadow und Lenny

Obwohl sowohl Shadow als auch Lenny trotz der Menschenmassen völlig entspannt bleiben, wollen wir ihnen den Trubel auf der Brücke nicht zumuten. Aber zum Glück finden wir direkt bei der Statue von Karl IV. ein ruhiges Plätzchen wo immer einer von uns bei den bleiben kann, während der andere die Brücke erkundet.

Shadow ist dabei so damit beschäftigt, nach dem Rückkehrenden Ausschau zu halten, dass er all die Menschen, die von ihm und Lenny fasziniert sind, völlig ausblendet. Nur wenn sie so stehen, dass er um sie herumschielen muss, findet er das doof. 😀

Gaumenfreude

Fast zwei Stunden sind wir nun unterwegs, und der Spaziergang an all den Restaurantschiffen vorbei hat den Hunger geweckt. Doch wir müssen noch bis ins jüdische Viertel wandern, bevor wir auf das nächste Restaurant stossen. Das erweist sich als Glücksfall – die Pizzen und der Salat beim Italiener „Alforno Focacceria Široká“ sind wirklich köstlich, und die Bedienung ist aufmerksam und herzlich.

Obwohl es ihnen anfangs lieber gewesen wäre, wir hätten mit den Hunden draussen gegessen, benehmen sich die beiden so vorbildlich, dass alle immer wieder entspannt an unseren Tisch kommen. Gerne hätten wir auch noch etwas von der verlockenden Dessertkarte probiert, aber wir sind satt. 🙂

Auf unserem weiteren Spaziergang können wir den Verlockungen in den Schaufenstern und Glacéständen noch widerstehen. Doch an der Strasse „Havelská“ sind die Düfte aus dem kleinen Häuschen zu verlockend:

Trdelník, ein traditionelles Gebäck aus der Slowakei, wird wie Stangenbrot um Eisenstäbe gewickelt, über Holzkohle gebacken und zum Schluss mit Crème oder Eis gefüllt genossen. Das Ganze schmeckt grossartig und das Gebackene erinnert ein wenig an unsere Apfelküchlein. Wir sind aber froh, dass wir nur eines genommen haben – die Vanilleglace ist ziemlich mächtig. Und es reicht sogar noch für ein kleines Versucherli für die Hunde.

Zum Abschluss unserer kulinarischen Genüsse schlendern wir über den Markt mit all seinen Esswaren – selbst die Backmischungen werden hier wunderschön präsentiert.

Der Altstädter Ring

Nach einem kurzen Spaziergang durch die schönen Gässlein des israelischen Viertels gelangen wir zum Altstädter Ring, der von historischen Bauten aus ganz unterschiedlichen Epochen umgeben ist.

Und so entdecken wir hier auch das Jan-Hus-Denkmal im Zentrum, das Altstädter Rathaus mit der astronomische Uhr, die Teynschule und die Teynkirche.

Die Teynkirche

Vollständig lautet ihr Name „Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn“.

Die Bezeichnung Teynhof (Týn) bezeichnete einst einen Handelshof in Alt-Prag, der auch Ungelt genannt wurde. Hier konnten ausländische Kaufleute übernachten und es wurden Schutzgelder (Zölle) erhoben.

Weiter geht es durch die Altstadt

Die Prager Rathausuhr

Die ältesten Teile der „Altstädter Astronomischen Uhr“ stammen aus dem Jahr 1410. Sie ist weltweit die einzige Uhr, die neben der astronomischen und der mitteleuropäischen Zeit auch die italienische bzw. böhmische Zeit und die babylonische Zeit anzeigt. Das ist auch der Grund, weshalb auf dem äusseren Ring 24 Stunden dargestellt sind (Sonnenuhren zeigen bis heute die babylonische Zeit an, wobei die Nachtstunden meist entfallen. Italienische Zeit = zählt ab Sonnenuntergang, babylonische ab Sonnenaufgang.)

1490 wurde die Uhr um den Kalender und Mitte des 16. Jahrhunderts um die beiden Sonnenuhren ergänzt. Die Figurenspiele zu beiden Seiten der Uhr entstanden im 17. Jahrhundert, das Spiel mit den 12 Aposteln in unbekannter späterer Zeit.

Zweimal war die Uhr fast dem Untergang geweiht (mangelnder Unterhalt bzw. Kriegswirren). Heute gehört sie zu den berühmten Wahrzeichen Prags, und jede Stunde zwischen 9 und 23 Uhr erklingt ihr Spiel und die 12 Apostel erscheinen in den Fenstern. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und sind pünktlich zum Glockenspiel wieder hier.

Das Schokoladen-Museum

Hätten wir keine Hunde dabei, wären wir bestimmt der Einladung ins Schokoladen-Museum gefolgt. Es verspricht nicht nur eine Reise in die Geschichte der Schokolade, sondern auch den Weg einer Kakaobohne zur Schokolade und was sie dabei alles erlebt. Zudem gäbe es bestimmt einiges zu verkosten.

So aber begnügen wir uns heute damit, zuzusehen, wie kleine Zuckerstangen gerollt werden. Keine Ahnung, wie oft der Mann die grosse Rolle noch hin und her rollen muss, damit sie am Ende so schmal ist, dass sie zu den kleinen Bonbons verarbeitet werden kann.

Kunstwerke in der Galerie Ocelových

Hier in der Galerie werden auf zwei Stockwerken zahlreiche Stahlfiguren ausgestellt, die in Kindergrösse beginnen und bei 3,20 m enden. Entsprechend kann man sich auch ihr Gewicht vorstellen: Die leichteste wiegt „nur“ 50 Kilo, die schwerste bringt dann aber schon 1,2 Tonnen auf die Waage.

Schöne Details unterwegs

Auf dem Heimweg

Rund sechs Stunden später stehen wir wieder beim Tanzenden Haus. Unsere Beine sind schwer, aber wir haben immer noch knapp zwei Kilometer vor uns, bevor wir zurück beim Wohnmobil sind.

Da lässt natürlich auch die Aufmerksamkeit nach. Als sich Dieter beim Fährmann in der Nähe erkundigt, ob es von hier aus auch zur Anlegestelle auf der Insel geht, springt Lenny plötzlich die Mole herunter und landet… statt auf der Plattform zwischen ihr und der Kaimauer. Zum Glück hängt er mit der Leine am Geschirr, und der Fährmann und Dieter sind so geistesgegenwärtig, dass ihm nichts passiert. Lenny hingegen wirkt, als ob ihn das Ganze gar nichts angehen würde und läuft danach weiter, als wäre nichts passiert. 😮

Und mir kommt zum Glück erst im Nachhinein in den Sinn, wie leicht er hier hätte eingeklemmt und verletzt werden können. Dazu hat uns Dieters fragen nichts gebracht, denn die Fähre bringt uns nicht zum Ziel und wir müssen doch noch die Stunde bis zur anderen Fähre gehen.

Fazit

Prag ist eine wunderschöne Stadt, und trotz ihrer Grösse und 1,3 Millionen Einwohner sowie der vielen Touristen haben wir uns hier sehr wohl gefühlt. Das schöne Wetter hat natürlich auch dazu beigetragen, dass wir fast sieben Stunden in der Stadt unterwegs waren. Aber bei der Grösse und Vielfalt an Geschichte mussten wir auch einiges auslassen – so auch das Schloss mit seiner goldenen Gasse. Deshalb war dies hoffentlich nicht der letzte Besuch hier an der Moldau.

© Womocanis.ch
Womocanis.travel.blog


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