2. bis 6. Mai 2024
Auf dem Weg nach Porte-Des-Braques
Da es in Villandry ausser dem Schloss und einer Höhle, die wir auslassen, nicht viel mehr zu sehen gibt, packen wir nach zwei Nächten unsere Sachen zusammen und machen uns auf in Richtung Atlantik. Die Strecke ist so abwechslungsreiche, dass dabei jede Menge Bilder entstanden sind.



































Strasse durch den Atlantik – über den (schwindenden) Passe aux Boeufs
Dieter hat dort etwas ganz Besonderes entdeckt: Eine unbewohnte Insel, die nur bei Ebbe erreichbar ist, und ausser einer Aquacole (Austernfarm), ein paar Weidetieren und einem Stellplatz völlig unberührt ist.
Was die Île Madame jedoch noch viel besonderer macht, ist ihre Verbindung zum Festland: der etwa einen Kilometer lange Passe aux Boeufs.




Dieser schmale Streifen aus Sand, Kies und Kieselsteinen wird nur bei Ebbe sichtbar und ermöglicht es dann, die Insel zu Fuss, mit der Pferdekutsche oder sogar mit dem Auto zu erreichen. Da sich die Gezeiten täglich verschieben, ist ein Blick in den Gezeitenkalender eigentlich unerlässlich, wenn man die Madame besuchen möchte – was wir natürlich völlig vergessen haben! Doch das Glück ist auf unserer Seite, und wir treffen genau zur richtigen Zeit am Übergang ein.










Auf der Insel
Trockenen Pneus auf der gegenüberliegenden Seite angekommen führt eine schmale Strasse zum Stellplatz am anderen Ende der Insel. Der von Camping Car Park angelegte Stellplatz ist wunderschön und auch hier sind wir meistens ganz alleine. Umso schöner, da wir gleich ein paar Tage hier bleiben wollen.














Morgenspaziergang
Auf ihrem Morgenspaziergang werden Dieter und Lenny vom Regen überrascht. Glücklicherweise können sie sich gleich bei den Felsen unterstellen und glücklicherweise hört der Regen auf, bevor die Flut bei ihnen ist.





Spaziergang an den Strand
Der nächste Morgen begrüsst uns mit sintflutartigem Regen, und wir stellen uns bereits auf einen Tag im Wohnmobil ein. Doch pünktlich zum Mittag durchbricht die Sonne die Wolkendecke und lockt uns an den nahe gelegenen Strand.




















Unser Strandspaziergang führt uns auch zu den farbenfrohen Carrelets – den charakteristischen Fischerhütten der Region zwischen Loire und Gironde. Auf Stelzen stehend und mit Tauen gesichert, trotzen diese malerischen Konstruktionen seit Jahrhunderten den Gezeiten.
Bei Ebbe sind die Fischerhütten gut über die langen Sandstrand zu erreichen. Sie sind jedoch in Privatbesitz und der Zugang ist mit einem Tor verschlossen. Sobald jedoch die Flut kommt, ist es vorbei mit der Erreichbarkeit.













Erinnerungen werden wach
Vom Strand aus entdecken wir in der Ferne dann auch das legendäre Fort Boyard – jene geheimnisvolle Seefestung, die durch die gleichnamige Fernsehshow weltberühmt wurde (Hier eine Aufzeichnung aus den Anfängen). Noch heute kämpfen dort mutige Kandidaten gegen ihre Ängste und den Zeitdruck, um Schlüssel für die sagenumwobene Schatzkammer zu ergattern. Ab 2028 soll das Fort auch für Besucher geöffnet werden – momentan lässt es sich nur vom Wasser aus bewundern.


Inselwanderung mit Überraschungen
Die Felder auf der Insel sind privat und dürfen nicht betreten werden. Das heisst, es bleibt uns nur die Strasse, wenn wir nicht noch einmal den gestrigen Weg nehmen wollen. Da uns diese während der Flut ganz alleine gehört, ist dies nicht weiter tragisch, denn auch auf dieser können wir die Insel erkunden.
Dabei entdecken wir die ausgedehnten Klärbecken und Salzgärten der Ferme de l’Île Madame, die seit 1980 in Familienbesitz ist. Hier werden nicht nur Meersalz, sondern auch Austern und Salicorne (Meeresspargel) produziert. Leider ist das kleine Restaurant bei unserem Besuch geschlossen – den berühmten Meeresspargel hätten wir zu gerne probiert.





Hier begegnen wir auch den weissen Pferden der Insel, die hier ein kleines Paradies für sich haben und auch gar nicht scheu sind.








Unterwegs zum Passe aux Boeufs
Als wir beim Übergang ankommen, ist ein Teil der Passage noch oder schon wieder überflutet, so dass keine Gefahr besteht, dass Jemand drüber fährt. So können wir unsere Hunde weiter frei laufen lassen.









Der Rückweg führt uns diesmal Strand entlang, der trotz beinahe erreichtem Hochwasser an den meisten Stellen noch gut begehbar ist. Zumindest Monika läuft unten, Dieter bleibt mit Lenny oben auf der Strasse.










Doof nur, wenn man erst merkt, dass es sich beim vermeintlichen Plastikteil um ein grosses Fischskelett handelt, wenn sich der eigene Hund genüsslich daneben wälzt. Aber auch hier sind wir wieder vom Glück begleitet: der Fisch scheint schon so lange tot zu sein, so dass sein Geruch nur für Shadow riechbar war.


Im nächsten Strandabschnitt wird es immer steiniger und der Weg beim steigenden Wasser immer schmaler. Deshalb geht es nun auch für Monika und Shadow zurück auf die Strasse.











Mit einem letzten Blick zum Fort auf der Île Madame auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse, kehren wir zu unserem Wohnmobil zurück, wo wir nach langer Zeit wieder bei herrlichem Wetter im Freien entspannen konnten.
Wir geniessen die Sonne
Da wir den Stellplatz ganz für uns haben, darf sich Shadow endlich wieder mal ohne Leine draussen aufhalten – was er auch sichtlich geniesst. Noch glücklicher ist er als Monika den Dummy rausholt und er nach dem gemeinsamen Spiel mit Monika allein damit weiterspielen darf.


















Schön ist aber auch, wie er selbst immer wieder eine kleine Pause einlegen kann – für einen Ball-Junkie wie ihn nicht ganz selbstverständlich.








Das Steinkreuz zum Gedenken an die ermordeten Priester
Das aus Kieseln geformte, liegende Kreuz auf der Île Madame erinnert an 250 Priester, die als Märtyrer während der Französischen Revolution getötet und hier begraben wurden.
Insgesamt wurden 2412 Geistliche deportiert. Sie hatten sich geweigert, das Dekret zu unterschreiben, das sie zu Angestellten des Staates gemacht hätte. 829 von ihnen kamen nach Rochefort, wo sie in zwei ehemaligen Sklavenschiffen eingesperrt wurden – Schiffe, die ursprünglich für nur 40 Sklaven gebaut waren. Die katastrophalen hygienischen Bedingungen und die schlechte Ernährung forderten einen hohen Tribut.
Als die Zustände unerträglich wurden, brachte man die Kranken auf die Île Madame vor der französischen Atlantikküste, wo ein Zeltlazarett eingerichtet wurde. Am Ende starben über 500 der 829 deportierten Priester.
Dieses tragische Kapitel geriet mit der Zeit in Vergessenheit – nicht zuletzt aufgrund von Napoleons Verbot, darüber zu sprechen. Doch 1910 fand die erste Wallfahrt auf die Île Madame statt. Seither findet jährlich im August eine Gedenkfeier statt, bei der Pilger Kieselsteine auf das Kreuz legen und so der Märtyrer gedenken.


So unterschiedlich zeigt sich der Passe aux Boeufs












Wir nehmen Abschied
Die Île Madame mag klein sein, doch durch das Wechselspiel der Gezeiten zeigt sie sich ständig in neuem Gewand. So macht es auch nichts aus, dass wir bei unseren Spaziergängen öfters die gleichen Wege nehmen – denn jedes Mal bietet sich uns ein anderes Bild dieser Insel.











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One thought on “Île Madame – eine Insel, die sich gerne mal unzugänglich zeigt”