Wir haben einen Vogel

Wie das PhoeniX-Reisemobil von seinen Liebhabern auch gerne liebevoll genannt wird. Aber nun erst einmal der Reihe nach.

Der grosse Traum nimmt Gestalt an

Es wird immer klarer: Wir werden nach unserer Pensionierung ins Wohnmobil ziehen! Denn es fällt uns jedes Mal schwerer, das Wohnmobil wieder zu verlassen, wenn wir von einer unserer Reisen zurückkommen. Das Zuhause auf vier Rädern hat uns komplett in seinen Bann gezogen. Bei all unseren Sachen plus 2 Hunden werden jedoch die 3,5 Tonnen unseres jetzigen Wohnmobils nicht reichen. Zudem träumen wir von einem Wohnmobil mit einer bequemen Sitzgruppe – was zu der Zeit nur ganz wenige haben.

Phoenix hingegen hat einige solcher Modelle! Ausserdem ist Monika schon länger von dieser Marke fasziniert, da sie vom Aufbau und der Technik überzeugt ist. Und im Gegensatz zu Dieter gefällt ihr auch die Form der Alkovenfahrzeuge.

Beim Phoenix-Händler

Auch wenn es noch etwas dauert bis wir in Rente gehen, beschliessen wir, uns das Wohnmobil einmal in Natura anzuschauen. Denn wer weiss, vielleicht sieht das Wohnmobil in Realität ganz anders aus als die schönen Prospekte und Internet-Bilder suggerieren oder wir fühlen uns eventuell auch einfach nicht wohl darin.

Und so besuchen wir 2018 einen Phoenix-Händler in Deutschland, welcher am Sonntag seine Türen geöffnet hat. Es sind zwar keine Verkäufer da, dafür zwei Phoenix Occasions-Wohnmobile, die wir besichtigen dürfen. Aber irgendwie will der Funke nicht so recht überspringen und was wir befürchtet haben, trifft ein: wir fühlen uns nicht wohl darin. Obwohl die Mobile trotz ihrer 10 Jahre immer noch tiptop ausschauen und nichts knarrt oder quietscht.

Zurück in unserem Wohnmobil herrscht nachdenkliche Stille. Haben wir uns getäuscht? Ist Phoenix doch nicht das Richtige für uns? Aber es lässt uns keine Ruhe. Und so beschliessen wir, am nächsten Tag noch einmal hinzugehen und uns von einem Verkäufer beraten zu lassen.

Als dieser unsere gemischten Gefühlen hört, stellt er eine scheinbar harmlose Frage: „Haben Sie auch das etwas grössere und neue Modell gesehen?“ Gesehen ja, aber nicht näher angeschaut, da wir uns nur für die Occasionen interessiert haben und ein Neufahrzeuge ausserhalb unserer Pläne liegt.

Der Game-Changer – wenn sich alles in Sekunden ändert

„Kommen Sie, schauen wir es uns trotzdem mal an“, meint der Verkäufer und weil wir neugierig sind, steigen wir mit ihm ein – und sind schlagartig begeistert! Es ist, als würden wir in unser zukünftiges Zuhause eintreten. Alles stimmt: der Platz, die Aufteilung, die Qualität, das Gefühl.

Der Verkäufer merkt sofort, dass er uns gepackt hat, und nimmt sich dann fast vier Stunden Zeit, um uns alles zu erklären und uns als erfahrener Wohnmobilist unzählige Tipps zu geben. Und auf der Probefahrt erleben wir, wie stabil so ein Phoenix gebaut ist – nichts knarrt oder verzieht sich. Es fährt wie ein Traum!

Zu schön, um wahr zu sein

Dann kommt der Hammer: Das Wohnmobil soll als Ausstellungsstück verkauft werden und alle weiteren Sonderausstattungen, welche noch dazu kommen, gibt es gratis obendrauf! Unser Herz schlägt schneller. Er zeigt uns noch ein weiteres Modell, welches gerade reingebracht wurde. Aber dieses ist uns eindeutig zu gross und die Farben der Innenausstattung sind auch nicht unsere.

So verlockend dies alles klingt, zögern wir, wir hatten ja nur ein erstes Kennenlernen geplant. „Lassen Sie es sich durch den Kopf gehen“, meint der Verkäufer verständnisvoll. Und so gehen wir am Ende ohne Entscheid zurück zu unserem Wohnmobil. Jason hat in der ganzen Zeit geduldig vor dem Wohnmobil gewartet – er ist einfach ein toller Begleiter.

Zweifel kommen auf

Doch zurück in unserem Wohnmobil beginnt das grosse Grübeln. Es lässt uns keine Ruhe mehr und so diskutieren wir bis tief in die Nacht. Am Ende sprechen so viele Dinge dafür, diese einmalige Gelegenheit beim Schopf zu packen. Es ist nicht nur der wirklich sensationelle Preis, welcher das Wohnmobil kaum teurer als eine Occasion macht, sondern auch das Wissen, dass es mindestens ein Jahr ab Bestelldatum dauern würde, bis wir ein neues bekommen würden.

Die Überraschung – und fast ein Herzinfarkt

Am Morgen steht unser Entschluss fest. Der Verkäufer ist sichtlich erstaunt, als wir wieder bei ihm vor der Türe stehen und meint verblüfft: „Mit Ihnen habe ich nicht mehr gerechnet!“

Kurz bekommen wir jedoch noch einen Schreck, denn es ist bereits ein Kunde vor uns da, der sich für unseren Phoenix interessiert! Unser Herz bleibt fast stehen. Haben wir zu lange gezögert? Ist unser Traumwohnmobil schon weg? Aber zu unserem riesigen Glück entscheidet sich der andere Kunde für das grössere Modell.

Und so sind wir kurz darauf stolze Besitzer eines Vogels. Zumindest auf dem Papier. Wir können es kaum glauben!

Der Phoenix wird Schweizer – das Rennen gegen die Zeit beginnt

Doch jetzt beginnt der Stress erst richtig! Denn wo schon die Einfuhr unseres ersten Wohnmobils eine kleine Herausforderung war, so stellt uns der Phoenix vor noch grössere Hürden. Und auch diesmal drängt die Zeit! Denn es ist bereits Juli und der Händler will das Wohnmobil anfangs August nicht mehr in der Halle haben – da er auf neue Marken wechselt.

Diesmal müssen wir aber nicht nur die Einfuhr und die Anmeldung planen – Dieter muss auch noch in kürzester Zeit die Prüfung für den C1-Fahrausweis ablegen! Denn in der Schweiz gilt die 3,5-Tonnen-Limitierung für alle PW-Fahrausweise. Und dazu muss auch noch ein Fahrlehrer gefunden werden und ein freier Prüfungstermin. Auch dies muss alles schnell gehen, denn schliesslich wollen wir mit unserem Vogel schon im September nach Sardinien fliegen – äh, fahren!

Alles fügt sich zusammen

Und wieder haben wir unglaubliches Glück! Es ist, als würden die Sterne für uns stehen. Alles klappt wie am Schnürchen und Dieter legt in Rekordzeit seine theoretische und praktische Prüfung erfolgreich ab, so dass wir unsere Sardinienreise wie geplant antreten können. Der Fahrlehrer ist begeistert von seinem Schüler, und auch der Prüfungsexperte ist beeindruckt.

Immerhin wird die Überführung in die Schweiz etwas einfacher, da wir eine Spedition damit beauftragen können, welche auch die Verzollung übernimmt. Und für die Weiterfahrt zu unserem Hallenplatz in Frankreich findet sich ein Spieler aus unserem Handballverein, welcher 7,5 Tonnen fahren darf. Auch unseren treuen Bürstner können wir rasch und gut verkaufen – er hat uns viele schöne Reisen ermöglicht. Und als dann auch noch die Motorfahrzeugkontrolle durch ist, steht unserer Sardinienreise nichts mehr im Weg 🙂

© Womocanis.ch
Womocanis.travel.blog


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