10. Juni 2023
Aufgrund der angekündigten Hitze brechen wir erst gegen 18 Uhr zur Bastei auf. Ein kluger Entscheid: Im Bus sind wir die letzten Touristen des Tages – alle anderen fahren vermutlich von der Arbeit nach Hause. So entgehen wir nicht nur der drückenden Hitze, sondern auch den Menschenmassen. Die Ströme von Besuchern, die uns entgegenkommen, lassen jedoch erahnen, welches Gedränge hier tagsüber herrscht.
Die Bastei und die Elbe
2 Millionen Jahre brauchte die Elbe, um das heutige Elbtal und die spektakuläre Felsenlandschaft zu formen. Doch nicht nur die Elbe war am Werk – auch ihre Zuflüsse schufen diese bizarren Sandsteinfelsen, die wir heute bestaunen.






Die Bastei bei Rathen gehört wohl zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region. Zusammen mit der legendären Basteibrücke zieht sie jährlich über 1,5 Millionen Besucher an.
Bereits 1592 wurde hier eine „Pastey“ erwähnt – ein Name, der auf die strategische Bedeutung dieser Felsformation hinwies. „Bastei“ bezeichnete schon damals vorspringende Verteidigungsteile von Festungsbauten.
Eigentlich bezeichnet „Bastei“ auch heute noch nur die am weitesten herausragende Felsnase oberhalb der Elbe, heute meint man jedoch meist das gesamte Plateau mit Hotel und Restaurant. Berühmt wurde die Bastei auch durch die Künstler, die diese einmalige Landschaft in ihren Gemälden verewigten. Besonders die Maler der Romantik waren von den dramatischen Felsformationen fasziniert – und wir verstehen jetzt, warum.
Auf dem Bastei-Aussichtsfelsen
Die neue Aussichtsplattform wurde erst kürzlich eingeweiht, nachdem die alte 2016 gesperrt werden musste, da der Felsen zu bröckeln begann. Um die weitere Zerstörung zu verhindern, ruht nun der hintere Teil auf festem Fels, während der vordere Bereich darüber schwebt und 140 Besuchern Platz bietet.




Von hier oben geniessen wir einen atemberaubenden Blick auf die Elbe zwischen Lilienstein und Königstein sowie das weite Elbtal mit den markanten Tafelbergen. Die milde Abendluft macht den Aufenthalt besonders angenehm – welch ein Kontrast zu der Hitze, der die Tagestouristen ausgesetzt waren. Alles wirkt winzig – wie eine riesige Modelleisenbahn-Anlage, in der winzige Dampfer gemächlich die Elbe hinabgleiten und die Züge wie Spielzeug durch das Tal rollen. Der Blick senkrecht in die 200 Meter tiefe Schlucht kann jedoch selbst hartgesottene Besucher schwindlig machen.




Da es noch mehr zu entdecken gibt, verlassen wir die Hauptattraktion und mit ihr die Menschenmassen.






Aussicht vom Ferdinandstein
Den 257 Meter hohen Ferdinandstein haben wir gestern bereits von der Pavillonaussicht bewundert. Zum Glück sind es keine 200 Meter, die wir zur Aussichtsplattform hinaufsteigen müssen, sondern nur wenige Stufen. Von dort oben sehen wir dann auch das erste Mal die berühmte Basteibrücke in voller Pracht.





















Lenny und Shadow lassen wir unten, deshalb wechseln wir uns ab: Während einer die spektakuläre Aussicht geniesst und den wagemutigen Kletterern am gegenüberliegenden Felsen zuschaut – echte Artisten, die sich scheinbar mühelos die senkrechten Wände hinaufarbeiten –, hütet der andere unsere Vierbeiner. Die zwei ziehen natürlich Aufmerksamkeit auf sich: Andere Besucher bleiben stehen, streicheln sie und fragen nach ihrer Herkunft. Auch wenn sie nicht so oft fotografiert werden wie Jason, sind sie vermutlich die ersten schweizerischen Hunde, die es bis nach Kasachstan geschafft haben! 😀




Auf der Basteibrücke
Die Basteibrücke ist das eigentliche Wahrzeichen der Bastei. Selbst jetzt, am späten Abend, begegnen wir noch Influencern, die sich hier in Szene setzen und unermüdlich Selfies schiessen.
Elegant spannt sich die 76,5 Meter lange Sandsteinbrücke über die 40 Meter tiefe Mardertelle-Schlucht. Ihre sieben charakteristischen Bögen rahmen den Himmel wie gotische Fenster und verleihen der Konstruktion eine fast kathedrale Anmutung. Ihre Geschichte reicht zurück bis 1825, als hier noch eine einfache Holzbrücke stand. Die heutige steinerne Konstruktion stammt aus dem Jahr 1851 und diente schon damals einem besonderen Zweck: Sie bildet den einzigen Zugang zur Felsenburg Neurathen.
Diese strategische Lage machte die Burg praktisch uneinnehmbar. Näherten sich Belagerer, zerstörten die Verteidiger kurzerhand die Brücke – und die Angreifer stürzten hoffnungslos in die Tiefe.
Wir durchqueren das natürliche Neurathener Felsentor – heute Kletterfelsen, früher Zugang zur Zugbrücke.
























Felsenburg Neurathen
1289 wurde die mittelalterliche Felsenburg erstmals erwähnt. Sie war lange im Besitz böhmischer Adelsgeschlechter, bevor sie 1469 von sächsischen Kurfürsten erobert und zerstört wurde. Wie die meisten Burgen des Elbsandsteingebirges bestand sie grösstenteils aus Holz. Heute sind nur steinerne Überreste zu sehen: Durchgänge, die Zisterne und Balkenauflager (so könnte sie mal ausgesehen haben).
Nach der Burgzerstörung verfiel mit der Zeit auch der Zugang zum Mönchsfelsen. Die blecherne Mönchsfigur auf dessen Gipfel können heute deshalb nur noch Kletterer besuchen.
Der Eintritt zur Felsenburg kostet bescheidene 2,50 Euro, auch wenn die Kasse am Abend bereits geschlossen ist. Eiserne Brückenkonstruktionen führen die Besucher entlang des ehemaligen Wehrgangs zu den einzelnen Räumen. Besonders interessant ist das „Mönchsloch“ – ein spartanischer Unterstand für Wachposten mit nur 1,75 Meter Höhe und 1,35 Meter Tiefe. Man kann sich kaum vorstellen, wie unbequem die Wachen hier gehaust haben müssen.













Ausblick beim Kanapee
Während Dieter die Felsenburg erkundet, spaziert Monika mit den Hunden zum nächsten Aussichtspunkt – dem malerisch benannten „Kanapee“ – und genießt erst einmal eine entspannte Pause. Hier, fernab der Touristenströme, kann sie die majestätische Landschaft in Ruhe auf sich wirken lassen. Die Hunde liegen erschöpft aber zufrieden im Schatten, während die Abendsonne die Sandsteinfelsen in goldenes Licht taucht. Ein Moment der Stille und des Staunens – genau das, was wir uns von diesem Ausflug erhofft hatten.
Anschliessend geht es zurück zur Bushaltestelle. Da die Hunde die ganze Zeit an der kurzen Leine bleiben mussten und es noch angenehm kühl ist, entscheiden wir uns gegen die Busfahrt und laufen stattdessen die dreiviertel Stunde zum Stellplatz zurück – eine entspannte Art, den ereignisreichen Tag ausklingen zu lassen.






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