30.09.2026
Mehr als 60 Jahre ist es her, seit ich die Höhlen von Postojna zum ersten Mal besucht habe. Nun stehe ich wieder am Eingang der Höhle und bin gespannt, was mich nach all den Jahrzehnten erwartet.
Eines ist jedenfalls gleich geblieben: Man fährt nicht einfach gemütlich ein paar Meter in die Höhle hinein – man fährt mit der Höhlenbahn mitten hinein in die Unterwelt.
Die Fahrt beginnt noch relativ unspektakulär. Doch schon bald tauch die Bahn immer tiefer in das Höhlensystem ein. Links und rechts ziehen Felswände und Tropfsteinformationen vorbei. Mal geht es durch enge Passagen, dann öffnet sich plötzlich wieder ein riesiger Raum.
Die Höhlenbahn gibt es hier bereits seit 1872. Heute führt die Fahrt rund zwei Kilometer tief in die Höhle, bevor wir aussteigen und die Besichtigung zu Fuss fortsetzen.
Das folgende Video vermittelt wohl besser als viele Worte, wie sich diese Fahrt anfühlt.
Nach rund zwei Kilometern heisst es dann: Aussteigen!
Jetzt beginnt der Teil, bei dem man sich wirklich Zeit nehmen kann, die Höhle zu bestaunen.
Vom Grossen Berg führt der Weg weiter durch die verschiedenen Bereiche der Höhle. Und schon hier wird klar, dass die Fahrt mit der Bahn eigentlich nur der Vorgeschmack war.
Die Dimensionen sind gewaltig. Es geht durch verschiedene Säle und Passagen, vorbei an Stalaktiten und Stalagmiten in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Manche wirken wie Vorhänge, andere wie Säulen, Türme oder ganze versteinerte Landschaften.
















Besonders eindrücklich sind der Spaghettisaal, der seinen Namen den unzähligen dünnen Tropfsteinbildungen an der Decke verdankt, sowie der Weisse und der Rote Saal.
Hier dürfen die Bilder sprechen …













Und dann kommt der Brillant – ein rund fünf Meter hoher, strahlend weisser Stalagmit und eines der Wahrzeichen der Höhle.








Man kann sich bei diesen Formationen kaum vorstellen, wie lange die Natur daran gearbeitet hat. Die Tropfsteine wachsen nur sehr langsam. Die grossen Exemplare sind deshalb nicht nur schön anzusehen, sondern gleichzeitig eine Art Zeitmesser der Erdgeschichte.
Bei meinem ersten Besuch vor mehr als 60 Jahren gab es einen Teil des heutigen Rundwegs überhaupt noch nicht. Beim Konzertsaal wurde ein 422 Meter langer Tunnel durch den Fels gebaut und mit einer Schleife in den Rundgang integriert. Dazu kommt eine 19 Meter lange Brücke, die über den Seitenstollen der Kleinen Höhlen führt.
Im Konzertsaal bekommt der Begriff „Raum“ dann noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Hier können sich tatsächlich riesige Besuchergruppen versammeln. Und natürlich darf auch ein Blick auf einen der berühmtesten Bewohner der Höhle nicht fehlen: den Grottenolm. Der Grottenolm sieht ein wenig wie ein kleiner Drachen aus. Er wird etwa 25 bis 30 Zentimeter lang, ist nahezu pigmentlos und vollständig an das Leben in der Dunkelheit angepasst. Seine Augen sind zurückgebildet, dafür besitzt er andere hoch entwickelte Sinnesorgane, mit denen er sich in seiner finsteren Umgebung orientiert.
Der Grottenolm ist aber keineswegs der einzige Bewohner dieser Unterwelt. Im Höhlensystem von Postojna leben mehr als 150 verschiedene Tierarten. Viele davon sind winzig, unscheinbar und perfekt an das Leben ohne Sonnenlicht angepasst.
Dazu gehören unter anderem verschiedene Höhlenkäfer, Spinnen, Krebstiere, Schnecken und andere wirbellose Tiere. Manche sind vollkommen farblos, andere haben ihre Augen reduziert oder ganz verloren. Nahrung ist in dieser Welt knapp – entsprechend langsam laufen viele Lebensprozesse ab.
Beim Grottenolm geht das sogar extrem weit: Er kann sehr lange ohne Nahrung auskommen und unter geeigneten Bedingungen möglicherweise etwa 100 Jahre alt werden.
Nach all diesen Eindrücken ist die Besichtigung irgendwann tatsächlich zu Ende. Über mehrere Kilometer Höhlenwelt liegen hinter uns – und nun wartet wieder die Bahn.
Also einsteigen, Platz nehmen und zurück Richtung Tageslicht.
Während der Hinfahrt ging der Blick noch neugierig in die unbekannte Dunkelheit. Jetzt kennt man zumindest einen Teil dessen, was links und rechts vorbeizieht. Trotzdem wirkt die Rückfahrt nicht weniger eindrucksvoll.
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