22. August 2023
Und wieder geht es in die Dunkelheit. Diesmal aber ohne Lenny und Shadow. Obwohl diese die Kühle im über 30 Meter tief gelegenen Lavakeller sicherlich auch genossen hätten.
Vorgängig besuchen wir die Ausstellung im Lavadom, um mehr über den Basalt und dessen Abbau zu erfahren.
Dank einer eindrücklichen Demonstration des Vulkanausbruchs vor rund 200’000 Jahren ist uns auch klar, weshalb das Basaltgebiet hier so riesig ist. Der Ausbruch des Wingertsberg-Vulkans hat jedoch nicht nur ein riesiges Gebiet mit seinen Lavaströmen zugedeckt, er hat die Welt auch für eine lange Zeit verdunkelt und damit eine Eiszeit ausgelöst.



Der hier geförderte Basalt besteht dann auch aus den erkalteten Lavaströmen dieser Zeit. Um an diesen zu gelangen, musste aber erst noch die ca. 30m dicke Schicht aus Löss und Bimsduffen durchdrungen werden, welche beim Laacher-See-Vulkan-Ausbruch vor ca. 13’000 Jahren hoch in die Luft geschleudert wurden und den Basalt zudeckten (übrigens fand man auch in der Schweiz und im Schwarzwald noch Spuren des Laacher Bims).
Wir erfahren aber auch viel über die Vulkanausbrüche der Neuzeit und können „live“ die Übertragung eines solchen Ausbruchs mitverfolgen.
Die Arbeiter
Frauen und Kinder, die sogenannten Soppeträger, versorgten die Arbeiter mit Mittagessen, da diese bis zu 12 Stunden untertags arbeiteten. Zum Transport dienten ihnen Kachelchen. Anhand von Bildern konnten wir aber auch nachvollziehen, wie schwer die Arbeit untertags damals gewesen sein musste.


Modell des Vulkankeller mit seinen unterschiedlichen Aufgabenbereichen.



Der Vulkankeller in Mendig
Der Lavakeller in Mendig ist das weltweit grösste unterirdisches Basaltlava-Bergwerk. Es umfasst fast drei Quadratkilometer (dies entspricht ungefähr 390 Fussballfeldern) und wurde mit reiner Muskelkraft erschaffen. Für die Besucher ist jedoch nur ein kleiner Teil zugänglich.
Basaltabbau für die umliegenden Mühlen
Bereits im 18. Jahrhundert begann man hier mit dem Basaltabbau. Dieser wurde in erster Linie zur Herstellung von Mühlsteinen genutzt. Um den Abtransport zu erleichtern, bearbeitete man den Basalt direkt im Lavakeller und zog ihn mit Hilfe von Pferdekraft hoch, manchmal auch durch die Arbeiter selbst. Später wurde diese Aufgabe von Elektrokränen erledigt, von denen einer noch im Freilichtmuseum zu sehen ist.






Der Abstieg
Mit Helm und Regenpelerine ausgerüstet geht es 30 Meter und über 153 Stufen in die Tiefe – diejenigen, welche nicht gut zu Fuss sind, dürfen den Lift nehmen. Hier unten herrscht eine konstante Temperatur von 8 bis 9 Grad, so dass wir froh um die wärmende Pelerine sind.



Sicherheit ist heute wie damals wichtig
Alle sechs bis acht Meter wurden Basaltsäulen stehen gelassen, die sich nach oben verjüngen. Dies verhinderte, den Einsturz des Vulkankellers. Später, als Mühlsteine nicht mehr gefragt waren, wurden diese ebenfalls zu Säulen aufgestapelt. Die Steine an der Decke hingegen stützen sich selbst. Und regelmässige Kontrollen stellen sicher, dass es auch so bleibt: ergibt der Hammerschlag einen hellen Klang, ist alles gut. Wenn nicht, werden Holzkeile zwischen die Steine geschlagen, welche die Stabilität sicherstellen.



Bei der Führung dringen wir immer tiefer in den Vulkankeller hinein.






Abfallentsorgung
Dabei treffen wir auch auf mehrere zugeschüttete Schächte. Damit wurde verhindert, dass die Menschen darüber weiterhin ihren Abfall entsorgten.



Der Vulkankeller mutiert zum Bierkeller
Als im 19. Jahrhundert die Nachfrage nach Mühlsteinen fast ganz nachliess, wurde der Vulkankeller zur Gärung und Lagerung von Bier genutzt. Die Bedingungen hier unten waren dafür ideal. Leider lockte das gelagerte Bier auch Diebe an. Dies versuchte man durch den Bau von sogenannten Diebesmauern zu verhindern.






Am Ende der Führung sind wir wieder bei der Treppe und wir beschliessen auch jetzt auf den Lift zu verzichten und stattdessen etwas für unsere Kondition zu tun.

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