28. Oktober 2025
Ausstellung in der Lichthalle MAAG in Zürich
Die preisgekrönte Ausstellung – Gewinnerin von drei Telly und zwei Eventex Awards – zeigt in beeindruckenden Animationen die Geschichte der Titanic vom Bau, über ihre Jungfernfahrt mit tragischem Ende, bis zu ihrer Wiederauffindung. Dank VR-Brille können wir anschliessend auch die Prunkräume der ersten Klasse betreten und den Musikern lauschen, die bis zum Schluss an Deck spielten, um die Passagiere zu beruhigen. Daneben vermitteln Schautafeln und historische Pläne noch mehr Wissenswertes über das Schiff und seine Passagiere.






In der Werft
Rund zwei Jahre lang wird in Belfast, in der Werft von Harland & Wolff, an der Titanic der White Star Linie gebaut. Sie ist ein Schiff der Superlative: 270 Meter lang, 28 Meter breit und bis zu den Schornsteinen 53 Meter hoch. Dass es von diesen vier hat, ist ästhetischen Gründen geschuldet. Funktional hätten drei gereicht, aber um der Symmetrie willen plante man einen weiteren ein und nutzte diesen als Lüftungs- und Entlüftungsschacht für die Küche und den Maschinenraum.
Aus den restlichen stieg wie bei allen Dampfschiffen, der Rauch der täglich 650 Tonnen verbrannten Kohle hoch, was ihr die Reisegeschwindigkeit von 21 Knoten ermöglichte.
Auch ihr Fertiggewicht von über 50’000 Tonnen ist enorm. Allein der Mittelanker wiegt fast 16 Tonnen, jedes Propellerblatt 38 Tonnen und das 24 Meter hohe Ruderblatt über 100 Tonnen. Aufgrund dieser Superlativen ist sie, wie beabsichtigt, zusammen mit ihrem Schwesterschiff „Olympic“ und der später gebauten „Britannic“ das grösste bewegliche Objekt ihrer Zeit.
Mit diesem Gewicht wäre sie jedoch viel zu schwer gewesen, um komplett an Land gebaut zu werden. Deshalb erfolgt ihr Stapellauf noch als leere Hülle. Die Maschinen samt den vier Schornsteinen und der Innenausbau werden erst auf dem Wasser mit Hilfe des grössten schwimmenden Krans eingebaut – ebenfalls ein Kraftakt. Man kann sich vorstellen, wie aufwendig der Fertigbau gewesen sein muss.






Stapellauf und Jungfernfahrt










Im Maschinenraum
Zum Glück sind die Geräusche in der Lichtshow nicht wirklichkeitsgetreu, sonst hätten wir vermutlich unser eigenes Wort nicht mehr verstanden.



Die Innenräume
Elisabeth ist ein kleines Mädchen das zusammen mit seinem Vater auf der Titanic zur Mutter reist, die bereits in New York lebt. Doch in der Kabine in der dritten Klasse ist es ihm bald langweilig und so nutzt es die Unaufmerksamkeit seines Vaters, um das Schiff zu erkunden. Dank der Animation in der riesigen Halle dürfen wir sie dabei begleiten und über die Grösse und die Schönheit der Innenräume in der ersten und zweiten Klasse staunen.
Die Erkundung beginnt in der dritten Klasse
In dieser Klasse fahren vor allem Jene mit, die sich in der Neuen Welt ein besseres Leben erhoffen. Manche reisen mit Familie, andere alleine, um in der neuen Welt genügend Geld zu verdienen, damit sie ihre Familien nachholen können. Denn selbst hier in der dritten Klasse kostet eine Überfahrt mehrere Monatslöhne.
Obwohl in dieser Klasse alles deutlich einfacher eingerichtet ist, erleben hier wahrscheinlich die meisten Reisenden mehr Luxus und Komfort, als sie es von ihrem früheren Zuhause kennen. Und selbst das Essen, welches ihnen Stewards servieren, ist hochwertige Hausmannskost.




Und schon sind wir auf dem Zwischendeck
Die Passagiere in der zweiten Klasse sind vor allem Geistliche, Touristen und Akademiker. Aber auch englische, schottische und amerikanische Familien der Mittelklasse haben hier ihre Kabinen und Aufenthaltsräume welche schon deutlich luxuriöser sind als die von der dritten Klasse. Und selbstverständlich waren auch die Speisen auserlesener.





In der Belle Étage
Für die Passagiere der ersten Klasse hingegen herrscht purer Luxus und Prunk, fast wie in einem Schloss. Den Reichen und der Prominenz soll es an nichts fehlen. So gehören eine Turnhalle, Bibliothek und Raucherzimmer genauso selbstverständlich dazu, wie luxuriöse Suiten und Aufenthaltsräume. Auch für das leibliche Wohl ist dank renommierter Köche gesorgt (insgesamt arbeiten 60 Köche auf dem Schiff). Viele sind auch in Begleitung ihrer eigenen Angestellten, die ihnen bei den alltäglichen Dingen helfen.




Der Eisberg schlägt erbarmungslos zu
Am 14. April 1912 erblicken die beiden Männer im Ausguck nur wenige Meter vor sich einen Eisberg. Sofort läuten sie die Alarmglocke. Trotz des sofort eingeleiteten Rettungsmanövers durch Kapitän Smith ist die verbleibende Zeit jedoch viel zu kurz, um das Schiff vor einer Kollision zu bewahren: Die Titanic läuft kurz vor Mitternacht und nur 1 Minute und 7 Sekunden nach der Warnung auf den Eisberg auf. So ein riesiges Schiff wird dadurch natürlich nicht gestoppt und so schrammt sie noch rund 90 Meter an dessen Seite entlang. Dabei werden sechs Löcher in ihre Seite gerissen, die zwar nicht riesig sind, aber trotzdem mehr Wasser hereinlassen, als die Schotten halten können.
Spätere Nachstellungen mit dem Schwesterschiff „Olympic“ zeigen, dass die Titanic mindestens 37 Sekunden gebraucht hätte, um den Kurs zu ändern – erstaunlich trotzdem, dass sie trotz ihrer Grösse und ihres Gewichts schnell reagieren kann.
Wie konnte es soweit kommen?
Dass der Eisberg erst so spät entdeckt wurde, hat vermutlich mehrere Gründe: Die Männer auf der Plattform hatten keine Ferngläser dabei. Diese waren sicherheitshalber durch einen Offizier in einen Schrank eingeschlossen worden. Da er aber nicht mit an Bord kam, wusste Niemand wo. Hinzu kam die schlechte Sicht aufgrund des fehlenden Mondlichts. Und dann natürlich die viel zu hohe Geschwindigkeit des Schiffes von 22 Knoten – was fast 40 Stundenkilometern entspricht. Dies in einem Gewässer wo der Kapitän bereits vor treibendem Eis gewarnt wurde und die Titanic schon längst einen anderen Kurs hätte einschlagen müssen.







Murphy’s Law
Von dem Vorfall bekommen die meisten Passagiere und Besatzungsmitglieder zunächst nichts mit. Erst als die Motoren stillstehen, werden sie wach beziehungsweise alarmiert. Doch die Stewards versichern den Passagieren, dass alles in Ordnung sei und sie wieder zu Bett gehen können. Auch der Vierte Offizier berichtet dem Kapitän nach seinem Rundgang, er habe nichts Auffälliges gefunden. Erst bei einer weiteren Inspektion steht fest: Die Titanic wird untergehen. Das Schiff ist nicht mehr zu retten.
Und nun trifft der Kapitän einige verhängnisvolle Entscheidungen: Er lässt die Besatzung rufen und gibt ihnen den Auftrag die Rettungsboote als reine Vorsichtsmassnahme klar zu machen – und so sah Niemand von den Offizieren die Lebensgefahr in denen sie schwebten. Erst danach und somit 10 Minuten nach der Kollision, erteilt er den Funkern den Befehl, Notsignale zu senden.
Und Murphy’s Law geht weiter: Das nächstgelegene Schiff hört die Notruf- und SOS-Rufe merkwürdigerweise nicht, und diejenigen, die sie hören, denken, jemand erlaube sich einen bösen Scherz.
So vergeht unnötig Zeit, während das Wasser weiter und weiter steigt.




Viel zu wenig Rettungsboote
Die Erbauer und die Reederei waren so überzeugt von der Unsinkbarkeit ihrer Vorzeigeschiffe, dass sie für die Titanic nur gerade 20 Rettungsboote mit 1178 Plätzen vorsahen – was auch laut Handelsschifffahrtsakte von 1906 so üblich war. Bei dieser Katastrophe waren es jedoch viel zu wenige um die 1309 Passagiere und 899 Besatzungsmitglieder aufzunehmen.
Wer also sollte gerettet werden? Als erstes die Frauen und Kinder, wie es der Brauch vorsah. Aber dann, die Männer der ersten Klasse? Und was war mit den Anderen? Am Ende sassen jedoch nur rund 700 Personen in den Booten – einige weigerten sich aus die Angst in die unter ihnen hängenden Boote zu springen, andere wollten ihre Lieben nicht zurücklassen, Viele waren sich selbst zu dem Zeitpunkt noch nicht der Tragweite des Unglücks bewusst. Dazu kam das Chaos an Board, welche ein geordnetes Besteigen und Herunterlassen der Boote verhinderte sowie der lange und verwinkelte Weg nach oben zu den Rettungsbooten für die Drittklass-Passigiere. Und so blieben viele Plätze unbesetzt.
Nach einer knappen Stunde wurde deshalb dann auch das erste Boot mit nur 28 Passagieren statt der 65 zu Wasser gelassen. Und dies alles bei Eiseskälte und Passagieren, die nur das Notwendigste anhatten.
Der Untergang
Inzwischen hängt das Vorderschiff bereits tief im Wasser. Dadurch erreicht das Wasser nun auch das Hauptdeck und weil hier auch die Schotten enden, welche das weitere Eindringen hätten verhindern können, werden nun auch die anderen Abteile des Schiffes überflut. Um 2:20 Uhr bricht die Titanic auseinander und versinkt in die Tiefen des Nordatlantiks.
Während der gesamten Zeit spielen die 8 Musiker des Orchesters auf dem Oberdeck für die Passagiere auf und gehen spielend unter.





Rettung naht
Inzwischen hat doch noch ein Schiff die Notsignale aufgefangen und ernst genommen. Es ist die „Carpathia“ die sich sofort auf den Weg zur Titanic macht. Doch in dem Moment ist sie noch 58 Meilen entfernt und braucht fast 4 Stunden bis zur Titanic. In der Eiseskälte viel zu spät, um mehr als die Überlebenden in den Rettungsbooten zu retten.



| Wer | Erste Klasse | Zweite Klasse | Dritte Klasse | Besatzung |
|---|---|---|---|---|
| Frauen | 142 / 138 * | 93 / 80 | 179 / 90 | 23 / 20 |
| Männer | 175 / 57 | 158 / 13 | 449 / 61 | 876 / 192 |
| Kinder | 6 / 5 | 21 / 21 | 75 / 26 | |
| Baby | 1 / 1 | 4 / 4 | 6 / 4 | |
| Prozentual Gerettete | 62% | 43 % | 26% | 24% |
* Anzahl Passagiere / davon gerettete
Der Schock sitzt tief
Viele Menschen warten in New York voller Angst auf die Ankunft der „Carpathia“ und voller Hoffnung, dass ihre Angehörigen und Freunde zu den Geretteten gehören.
Es gibt viele Einzelschicksale zu beklagen und nur wenig glückliche Menschen können ihre Lieben in die Arme schliessen. Eines der wohl bekanntesten ist wahrscheinlich jenes der Brüder Michel (4) und Edmont (2) Navratil , die von ihrem Vater nach New York entführt werden sollten, wo er mit ihnen ein neues Leben beginnen wollte. Leider gehörte er zu Jenen, welche das Unglück nicht überlebten, während die beiden Brüder sicher in New York ankamen und später von ihrer Mutter zurückgeholt wurden.





Die damaligen Reisenden sollten nicht die letzten Opfer der Tragödie bleiben
Über 70 Jahre blieb das Wrack der Titanic in der Tiefe des Meeres verschollen. Erst der Meeresforschers Robert Ballard fand 1985 die Titanic in 3’800 Metern Tiefe. Ballard nutzte dafür zwei mit Kameras ausgestattete Unterwasserfahrzeuge, die von Expeditionsschiffen über den Meeresgrund gezogen werden konnten.
Fast wäre es nicht dazu gekommen, denn der Widerstand der Marine gegen diese private Suche war gross. Ballard konnte sie jedoch mit dem Versprechen auf Publicity überzeugen – unter einer Bedingung: Er musste zuerst die beiden U-Boote finden, die während des Kalten Krieges in der Gegend gesunken waren. Die Suche nach der Titanic diente ihnen dabei zusätzlich als Deckmantel.
Aufgrund der Grösse des Suchgebiets und der nur zwölf Tage, die ihm anschliessend für die Suche nach der Titanic zur Verfügung standen, war er auf die Hilfe weiterer Wissenschaftler und deren Instrumente angewiesen. Trotzdem blieb die Suche zunächst erfolglos, und er wollte schon aufgeben. Doch im letzten Moment tauchte das Wrack vor den Linsen der Schwarz/Weiss-Kameras auf.
Seit diesem Fund haben viele weitere Tauchexpeditionen zur Titanic stattgefunden. Die Tauchfahrt der „Titan des Oceangate-Chef Stockton Rush 2023“ mit vier Passagieren wurde jedoch zur tödlichen Fahrt – das Tauchboot implodierte und riss seine Insassen mit in den Tod.
Was geschah mit ihren Schwesternschiffen?
Die Olympic lief 1910 vom Stapel und wurde 1911 – wie später auch die Titanic – auf dem Wasser fertiggestellt. Nach dem Untergang der Titanic erhielt sie zusätzliche Rettungsboote und Sicherheitseinrichtungen. Während des Ersten Weltkriegs diente sie als Truppentransporter, ab 1920 fuhr sie bis zu ihrer Abwrackung 1935 wieder als Linienschiff über den Atlantik.
Der Bau der Britannic begann 1911. 1912 stoppte jedoch der Untergang der Titanic zunächst die Arbeiten am Schiff. Danach verzögeren die aufgrund der Tragödie notwendigen Verbesserungen sowie der Krieg den Weiterbau. Trotzdem sollte das Schiff noch pompöser werden als ihre Schwesternschiffe. Dazu kam es jedoch nicht mehr: Nach dem Verlust deutscher Schiffe wurde die Britannic im November 1915, 18 Monate nach Kriegsausbruch, vom Militär requiriert und als Hospitalschiff eingesetzt.
Doch bereits ein Jahr später wird sie durch ein Torpedo oder eine Seemine schwer getroffen. Schlimmer noch wiegt jedoch der Umstand, dass viele Schotten und Bullaugen zu diesem Zeitpunkt entgegen den Vorschriften nicht geschlossen sind. Deshalb lief das Schiff so schnell voll Wasser, dass es innerhalb einer knappen Stunde sank. Die Evakuierung verlief jedoch geordnet, sodass keiner von den 1’036 Menschen noch an Bord war, als das Schiff unterging. Zwei Rettungsboote wurden allerdings zu früh ins Wasser gelassen und von den noch laufenden Schiffspropellern getroffen. Dies führte zu 30 Toten und 40 Verletzten.
Durch ihren Untergang wurden auch all die wertvollen Innenausbauten nutzlos, welche in den Lagern auf ihren Einbau warteten.
Anekdote am Rande: Violet Constance Jessop war als Stewardess und Rot-Kreuz-Schwester auf allen drei Schiffen als Angestellte der White Star Linie tätig und überlebte alle drei Unglücksfahrten (die Olympic kollidierte 1911 mit einem britischen Kreuzer, ging jedoch nicht unter).
Quellen: Internet und „TITANIC – Ihre Zeit, ihr Schicksal, ihr Mythos“ des Michael Imhof Verlags
© Womocanis.ch
Womocanis.travel.blog
